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Romane, Biografien, Sachbücher

Was wir gerade lesen...

Büchertipps von unseren Bibliothekar*innen aus den Bereichen Belletristik, Biografien und Sachbücher:

BELLETRISTIK
Erich Hackl „Abschied von Sidonie“, Diogenes Verlag 1991, 127 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
An einem Augusttag des Jahres 1933 findet der Pförtner des Krankenhauses Steyr ein schlafendes Kind. Die Aufnahme bei liebevollen Pflegeeltern ist aber nur die erste Stufe im traurigen Leben dieses Mädchens. Das berühmteste Buch des österreichischen Schriftstellers Erich Hackl, der sich kunstvoll und dennoch eng an den historischen Fakten orientiert. Die dokumentarische Geschichte des Zigeunermädchens Sidonie ist getragen von einem trockenen Erzählton und wandelt sich mit eben dieser faktenbasierten Emotionslosigkeit zu einem wuchtigen Plädoyer gegen Opportunismus und Denunziantentum. Eine große hochpolitische Erzählung über ein Kind, dessen Schicksal als Spiegel für den Ungeist einer ganzen Generation fungiert.
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Friederike Mayröcker „Pathos und Schwalbe“, Bibliothek Suhrkamp 2018, 265 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Als die 1924 geborene österreichische Dichterin im Sommer 2015 gezwungen ist, wochenlang Zeit im Krankenhaus zu verbringen, ist sie abgeschnitten von ihrem berühmten Schreibort, ihrer papierüberladenen Wohnung, in der das große geordnete Chaos ihres literarischen Schaffens sie inspiriert. Es ist ihr nicht möglich in der ungewohnten Umgebung ihrer Kunst nachzugehen. Sie „kritzelt“ Notizen über den für sie seltsamen Alltag im Krankenhaus und macht sich zuhause in ihrer Schreibhöhle umgehend daran diese Notizen zu einem feingliedrigen literarischen Kunstwerk zu formen. Ein einzigartiger Schreibstil hochpoetischer Finesse prägt ihre klugen Reflexionen über diese Erfahrung.
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P
etra Piuk “Lucy fliegt”, Kremayr & Scheriau 2016, 192 Seiten
Buchtipp von BORIS SCHÖN
Wenn sich Elterngenerationen an den Kopf greifen und jugendliche Analphabeten bereits ihre Villen planen, dann sind wir dem Thema dieses Buches schon recht nahe gekommen...es geht um Lucy, eine junge Frau, deren größter Wunsch es ist, eine berühmte Schauspielerin in Hollywood zu werden.
Lucy ist allerdings keine Vertreterin der Bildungsschicht oder Tochter einer Schauspieldynastie, sondern ein Kind aus dem Wiener Gemeindebau, deren Welt aus Castingshows, Social-Media-Accounts und nicht fertiggedachten Erfolgsphantasien besteht und all das macht den Weg zu ihrem Ziel nicht unbedingt leichter.
Eine bitterböse und erschreckend ehrliche Auseinandersetzung mit der Generation DSDS.
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Lucca Ammirati “Das Lächeln einer Sommernacht", Thiele Verlag 2020, 352 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Der 30-jährige Samuele ist hoffnungsloser Romantiker. Bei einem Rendezvous mit der geheimnisvollen Emma passiert ihm dennoch das Unverzeihliche. Er schläft ein und am nächsten Tag ist die Schöne verschwunden. Der italienische Autor Luca Ammirati präsentiert eine Feel-good-Lektüre, die einen begeistert mit dem sympathischen Protagonisten auf seiner Suche nach der wahren Liebe mitfiebern lässt. Diese Suche ist geprägt von witzigen Episoden und Erfahrungen, die nicht nur Samuele zeigen, dass das Leben zu kurz für Selbstzweifel ist. Exzellente Unterhaltung mit liebevoll gezeichneten Charakteren und einer Lebensfreude, die inspiriert.
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Connie Palmen "Du sagst es", Diogenes 2018, 288 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Connie Palmen gehört zu den wichtigsten Stimmen der niederländischen Literatur. In ihrem Roman über Sylvia Plath und Ted Hughes geht sie auf einzigartige Weise der tragischen Geschichte dieses berühmtesten Liebespaares der modernen Literatur nach. Sie erzählt sie aus der Sicht des Mannes. Nach dem Suizid von Plath im Jahr 1963 waren die Rollenklar. Sie war die Märtyrerin, er war der Verräter. Palmen will beim Erzählen aber keine Stellung beziehen, sie will vielmehr die Kraft und Tragik in der Geschichte dieses Paares verstehen. Sie schreibt mit intellektueller Verve und mit erstaunlichem perspektivischem Mut. Man glaubt ihr ihren Ted Hughes und lernt einen neuen Blickwinkel auf diese große Liebesgeschichte kennen.
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Teju Cole "Open City", Suhrkamp 2013, 411 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Julius ist ein junger Psychiater in New York. Immer wieder durchstreifter die Metropole, spaziert ohne Ziel, stundenlang. Bei seinen Spaziergängen sammelt er seine Gedanken, reflektiert über verlorene Liebe und über Herkunft. Seine Begegnungen kulminieren zu einem kunstvollen Blick auf New York, auf die Frage nach Heimat und Identität und auf eine Welt in Bewegung. Der Reiz dieses Romans eines modernen Flaneurs liegt - neben seiner großen sprachlichen Qualität - vor allem in seiner Art die Melancholie immer wieder auch mit einer großen Menschenliebe zu vermengen. Der amerikanische Autor Teju Cole wuchs in Nigeria auf und liefert mit seinem Roman eine berührende Hommage an die Macht der Kunst in einer Welt der Entwurzelung.
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Melinda Nadj Abonji “Schildkrötensoldat”, Suhrkamp 2017, 173 Seiten
Buchtipp von VERENA REINALTER
Zlotan ist ein eigentümlicher junger Mann. Für seine Eltern ist er ein stotternder Taugenichts. Als er zu Beginn des jugoslawischen Bürgerkrieges in die Volksarmee eingezogen wird, ist die Freude groß. Aber auch bei der Armee kann sich Zlotan nur schwer den strengen Strukturen und sinnlosen Regeln anpassen.
Melinda Nadj Abonji beschreibt in „Schildkrötensoldat“ Zlotans Leben vor seinem Eintritt in die Armee und seine Erfahrungen während der Ausbildung zum „Stiefeltrottel“. Mit großer Selbstverständlichkeit lässt die Autorin Zlotan selbst seine Geschichte erzählen. Parallel dazu bringen die Schilderungen seiner Cousine Anna Klarheit. Sie ist auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit.
Mit viel Herz erzählt Melinda Nadj Abonji die tragische Geschichte eines jungen Mannes in einem grausamen Krieg.
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Doron Rabinovici “Die Außerirdischen”, Suhrkamp 2017, 255 Seiten
Buchtipp von VERENA REINALTER
Stellen Sie sich vor, die Erde wird von Außerirdischen übernommen. Keiner hat sie gesehen, aber in den Medien wird über die Invasion berichtet. Alle sprechen von den friedlichen Außerirdischen, die auch einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen werden. Der einzige Nachteil: die Außerirdischen ernähren sich von Menschenfleisch, und bitten um freiwillige Opfer...
Doron Rabinovici stellt sich in seinem fiktiven politischen Roman dieser Frage und zeigt was unter großem medialem Einfluss in kürzester Zeitpassieren kann. Rabinovici ist mit „Die Außerirdischen“ ein außergewöhnlich kritischer Roman gelungen. Die Fragen am Ende der Geschichte sind weithin bekannte Fragen: „Wie konnte es soweit kommen?“ „Warum machen Menschen solche Dinge mit anderen Menschen?“ und „Wer ist dafür letztendlich verantwortlich?“
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Michael Cunningham "Die Stunden"
, btb Verlag 2001, 224 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Michael Cunningham verwebt kunstvoll drei Erzählstränge. Clarissa Vaughan bereitet in den 1990er Jahren eine Party für ihren aidskranken Freund Richard vor. Er nennt sie "Mrs. Dalloway", nach Virginia Woolfs berühmter Heldin. Laura Brown lebt in Los Angeles ein erdrückendes Leben als Hausfrau und Mutter und versteckt sich 1949 in einem Hotel, um "Mrs. Dalloway" zu lesen. 1923 ringt Virginia Woolf mit den Anfängen ihres weltberühmten Romans. Der Autor konzentriert sich auf einen Tag im Leben seiner drei Heldinnen und präsentiert einen bewegenden Roman über die einzige Sicherheit, die das Leben von Scheitern bietet: Literatur. 1999 erhielt "Die Stunden" den Pulitzer-Preis.
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Armistead Maupin "Mary Ann im Herbst", Rowohlt 2012, 348 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Armistead Maupin hat mit seinen
"Stadtgeschichten" eine Buchreihe geschaffen, die das Leben einer
verschworenen Gemeinschaft in San Francisco verfolgt. Beginnend in den 1970er
Jahren erzählen diese u. a. 2019 von Netflix verfilmten Geschichten von Freundschaft
und Liebe in einem Zirkel unvergesslicher Figuren, die sich mit großer
Lebenslust allen Hindernissen ihrer Zeit stellen. Sexuelle Orientierung, Gender
und Transgender sind kraftvolle Elemente in dieser unterhaltsamen Reihe. In diesem
Band kehrt die energische Mary Ann Singleton zurück zu ihren Freunden, weil sie
gegen Gebärmutterhalskrebs kämpfen muss. Der Autorerzählt erneut mit großer
Liebe für seine über Jahrzehnte gewachsenen Figuren.
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Victor Margueritte "La Garçonne", ebersbach & simon 2020, 248 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Neubearbeitung des 1923 erstmals erschienen
Romans, dessen Heldin Monique Lerbier zur Personifizierung der "neuen
Frau" wurde. Sie weigert sich den Mann zu heiraten, den ihr Vater für sie
vorgesehen hat. Siebricht mit ihrer Familie. Sie stürzt sich im brodelnden
Paris als unabhängige Garçonne in die Freuden der freien Liebe. Der
französische Autor (1866 bis 1942) hat zwar wegen der Publikation von "La
garçonne" seine Mitgliedschaft bei der Ehrenlegion verloren, wurde aber reich.
Sein Plädoyer für die Gleichberechtigung der Frau wurde zu einem erstaunlichen
internationalen Phänomen der Zwischenkriegszeit. Mehr als eine Million
verkaufte Exemplare und Übersetzungen in zwölf Sprachenhalfen dabei mit, diese
spannende Frauenfigur in eine sich radikal verändernde Welt zu tragen.
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Alex Capus "Léon und Louise", Hanser 2011, 320 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Während dem Ersten Weltkrieg begegnen sich Léon und Louise zum ersten Mal. Die Wirren des Krieges reißen die beiden auseinander. Sie halten einander für tot. Léon heiratet. 1928 begegnen sie sich zufällig in Paris wieder. Anhand der Chronik von Léons und Louises Lebensgeschichtenerzählt Alex Capus die Geschichte eines chaotischen Jahrhunderts, das die beiden wieder und wieder zu einem Doppelleben zwingt. Was sie aber dennoch nicht daran hindert, ihr ganzes Leben lang an ihrer Liebe festzuhalten. Ein geistreicher Entwicklungsroman über die Kraft der Liebe gegen jeden Widerstand. Eine große Geschichte, erfüllt von Resilienz und Lebensfreude, über zwei unvergessliche Charaktere.
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James Baldwin "Giovannis Zimmer", dtv, 2020 208 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Auch mehr als fünfzig Jahre nach dem ersten Erscheinen begeistert dieser Roman mit einem doppelten Tabubruch. James Baldwin (1924 bis 1987), dessen ganzes Leben von der Rassenfrage geprägt war, schrieb in "Giovannis Zimmer" als schwuler schwarzer Schriftsteller über die Liebezwischen zwei weißen Männern. Expat David lernt im Paris der 1950erJahre den charismatischen Kellner Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Als seine Verlobte zurückkehrt, hat David nicht den Mut sich zu outen. Eine Angst, die alle ins Unglück stürzt. Die Lektüre dieses hochpolitischen Romans führt zu einem frappierenden Zweifel hinsichtlich der Frage, ob die Gesellschaft heute wirklich weiter ist als damals.
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Column McCann „Transatlantik“, Rowohlt 2014, 381 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Drei Generationen prägen diesen mitreißenden Roman über die miteinanderverbunden Geschichte Irlands und der USA. Die irische Hausmagd Lily Duggan, ihre Tochter Emily und ihre Enkelin Lottie erleben darin die Rolle des Individuums in der Geschichte des Kollektivs. Der irisch-stämmige Autor Colum McCann erzählt mit viel Gefühl für seine Figuren und vermittelt mit bemerkenswerter narrativer Glaubwürdigkeit die große Universalität im Aufeinandertreffen von persönlichen Schicksalen mit der Geschichte. Ein fabelhafter Roman über das individuelle Leben vor dem Hintergrund des großen Ganzen, der dreihistorische Momente der irisch-amerikanischen Geschichte mit den Lebenseiner Protagonistinnen verschmilzt.
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Christopher Isherwood „Praterveilchen“, Hoffmann und Campe 2015, 127 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Christopher Isherwood (1904 bis 1986) gehört zu den wichtigsten Schriftstellern seiner Generation. In diesem Roman wird der österreichisch-jüdische Regisseur Friedrich Bergmann 1933 mit wachsenden Schwierigkeiten konfrontiert, als er sich für Dreharbeiten einer Filmschnulze in London aufhält. Seine Sorge um die politischen Entwicklungen in Österreich wird größer. Seine Mahnungen werden in den Wind geschlagen. Wie schon in seinen Büchern „Leb wohl, Berlin“, „A single man“ u. a. schafft es Christopher Isherwood erneut die emotionale Persönlichkeit seines Helden mit Authentizität zu erfüllen, während er sie gekonnt vor den Hintergrund der gesellschaftlichen Realität zur Entfaltung bringt.
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Joyce Carol Oates „Der Mann ohne Schatten“, S. Fischer 2018, 384 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Dieser mitreißend geschriebene und intellektuell messerscharfe Roman von Joyce Carol Oates erzählt eine spannende Geschichte über Nähe und ihre Fragilität. Über Emotionen und Zeit. 1965 lernt die junge Neurowissenschaftlerin Margot einen charismatischen Patienten kennen. Eli leidet an Gedächtnisverlust und kann sich nur an Dinge erinnern, die nicht länger als siebzig Sekunden her sind. Die beiden kommen sich näher. Und Eli vergisst immer wieder, wer sie ist. Wie authentisch ist unser Empfinden der Nähe für Menschen, die wir lieben, im Angesicht des Vergessens? Eine kluge Geschichte über die Wahrhaftigkeit von Gefühlen von einer Grande Dame der amerikanischen Literatur.
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Toni Morrison „Menschenkind“, Rowohlt Taschenbuch 2016, 397 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Ende 19. Jahrhundert, in einem kleinen Haus am Rand von Cincinnati. Sethe versucht die Tragödien ihres Lebens zu verarbeiten. Ihre Flucht vor der Sklaverei, der Tod ihres Mannes und der Verlust ihres Kindeshaben sie verbittert. Eines Tages steht Paul D. vor der Tür und alte Wunden reißen schmerzhaft auf. Die 2019 verstorbene Nobelpreisträgerin Toni Morrison hat sich in ihrem gesamten Werk der afroamerikanischen Erfahrung gewidmet. So auch in ihrem 1988 erstmals erschienen Roman „Menschenkind“. Das Trauma der Sklaverei ist der Motor dieser Geschichte. Die Erkenntnis, dass Heilung auch im Angesicht grauenvollster Erfahrungen möglich ist, wird zur feinsinnigen Universalität in diesem wunderbaren Roman.
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Theres Essmann, „Federico Temperini“, Klöpfer Narr 2020, 163 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Federico Temperini ist ein mysteriöser älterer Herr mit einer obsessiven Leidenschaft für das Leben und Werk des Teufelsgeigers Paganini. Eines Tages heuert er den Kölner Taxifahrer Jürgen Krause als Chauffeur an. Bei ihren Fahrten taucht Jürgen Krause immer weiter in eine Welt ein, die für ihn völlig neu ist. Diese hochliterarische und feinsinnige Novelle erzählt die Annäherung dieser beiden grundverschiedenen Charaktere und reflektiert auf kluge Weise über die Frage, worin unsere wahre Größe liegt. In unserer Menschlichkeit. Eine subtile Figurenentwicklung und große Überzeugungskraft zeichnen diese hervorragend gelungene Geschichte aus.
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KLASSIKER
Isabel Allende “Das Geisterhaus”
, Suhrkamp Verlag 1982 (Taschenbuchausgabe von 2018), 500 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Der 1982 erstmals erschienene Roman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende gehört zu den Klassikern der Lateinamerikanischen Literatur. Die große Familiensaga erzählt von Verwicklungen der Macht und der Leidenschaft, die sich in einem nicht näher genannten lateinamerikanischen Land, das aber erkennbar an Chile und seine problematische Geschichte angelehnt ist, über mehrere Generationen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Putsch 1973 ziehen. Diese autobiografische Geschichte ist gespickt mit Elementen des Magischen Realismus und präsentiert außerdem ein deutliches Zeichen der Erinnerung daran, wie schnell Demokratie in Gefahr gerät, wenn wir ihre Bedeutung vergessen.
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Edith Wharton “Zeit der Unschuld", Manesse Verlag 2015, 400 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Edith Wharton (1862 bis 1937) wurde für "Zeit der Unschuld" im Jahr 1921 - als erste Frau überhaupt - mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sie erzählt darin eine Dreiecksgeschichte in der New Yorker Upper Class gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der aufstrebende Anwalt Newland Archer steht zwischen der für ihn vorgesehenen Mary "aus gutem Haus" und deren unkonventioneller Cousine Ellen Olenska. Affären und uneheliche Kinder werden von der feinen New Yorker Gesellschaft schweigend geduldet. Eine Scheidung wie jene von Ellen hingegen ist ein Sakrileg. Mit großer Überzeugungskraft erzählt dieser Klassiker der amerikanischen Literatur eine mutige und zeitlose Geschichte über große Gefühle und gesellschaftliche Zwänge.
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Tania Blixen "Jenseits von Afrika", Manesse Verlag (Wiederauflage 2017), 688 Seiten, Manesse Verlag
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Als Tania Blixen (1885 bis 1962) im Jahr 1914 nach Kenia reist, um dort eine Kaffeeplantage zu betreiben, flieht sie nicht nur vor den Zwängen ihrer dänischen Herkunft. Sie findet eine Lebensaufgabe, die ihr eine Sinnhaftigkeit ermöglicht, der sie in diesen weltberühmten Memoiren auf unnachahmliche Weise Ausdruck verleiht. Mit großer Sinnlichkeit und Empathie macht sie das faszinierende Leben des alten Afrikas greifbar. Die Höhen und Tiefen des Kaffeehandels, ihre Liebe zu Afrika und seinen Menschen. Und zu Denys Finch-Hatton, der Liebe ihres Lebens. Im Jahr 1931 verliert sie nicht nur ihre Farm. Auch Finch-Hatton stirbt. Dennoch schuf sie in ihrem Erinnerungsbuch eine große Hommage an das Leben.
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LYRIK
José Saramago "Über die Liebe und das Meer"
, Hoffmann & Campe 2011, 100 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Das Oeuvre des portugiesischen Romanciers (und Nobelpreisträgers 1998) José Saramago (1922 bis 2010) beinhaltet auch ein lyrisches Werk, das in der Rezeption seiner Bücher über viele Jahre nur wenig Beachtung fand. In dieser Sammlung eröffnen sich erstmals auch in deutscher Übersetzung die Finessen seiner Überzeugungskraft als Lyriker. In einer Auswahl aus insgesamt drei Gedichtbänden finden sich mit mythisch motivierter Metaphorik seine zärtlichen Reflexionen über das ewige Mysterium der Liebe und den Platz des Menschen in der Natur. Mit der Erkenntnis "... die Liebe lässt sich nicht messen, sie misst selbst..." (aus: "Maßstab", S. 19) vermittelt er eine große poetische Huldigung des Lebens.
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Mascha Kaléko „Liebesgedichte“, dtv 2015, 109 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Mascha Kaléko (1907 bis 1975) hat 1933 mit ihrem „Lyrischen Stenogrammheft“ ihre ersten großen Erfolge gefeiert und zählt neben Hilde Domin, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Besonders in ihrer Liebeslyrik vermag sie mit großer Klarheit und Universalität zu ergreifen. In diesem bibliophilen Band finden sich Liebesgedichte aus all ihren literarischen Schaffensphasen. Inklusive Texte und Entwürfe aus dem Nachlass. Eine zeitlose poetische Stimme zum wichtigsten Thema der Literatur, die glaubwürdig ihr Motto vermittelt: „Zur Heimat erkor ich mir die Liebe.“ (aus „Die frühen Jahre“, im Nachwort, S. 99).
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Bertold Brecht „Als ich nachher von dir ging. Erotische Gedichte“, Insel-Bücherei Nr. 1408, 2015, 55 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Im weltberühmten Werk des wohl bekanntesten deutschsprachigen Dramatikers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bertold Brecht (1898 bis 1956) finden sich auch erotische Gedichte, die zu seinen Lebzeiten zumeist nur in Privatdrucken kursierten. Die skandalöse Offenheit in seinen Gedichten zeigt eine faszinierende Lüsternheit und traurig-schöne Melancholie gleichermaßen. In dieser Sammlung finden sich sowohl unbekannte Texte wie auch bekannte Liebesgedichte wie „Das Lied von Surabaya-Jonny“. Eine überaus reizvolle lyrische Sammlung, die sich vor allem in Zeiten der Isolation hervorragend zum gegenseitigen Vorlesen in trauter Zweisamkeit eignet. Mit Radierungen von Pablo Picasso.
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ESSAY
Gioconda Belli "Ich bin wie ein weites Land"
, Peter Hammer Verlag 2020, 144 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Texte der nicaraguanischen Kultautorin aus zwei Jahrzehnten, die mit Bedacht und Passion gleichermaßen einen klaren Blick auf die Gegenwartwerfen. Das Buch bietet eine weitere Präsentation ihrer großen Lebensthemen Feminismus, Politik, Gerechtigkeit und Erotik. Es beinhaltet Prosagedichte und Essays, Interviews über ihre Arbeit als Schriftstellerin und politische Reflexionen über ihr geplagtes Heimatland und über die Welt. Besonders mitreißend zu lesen ist ihr Aufsatz "Der Optimismus: die Waffe der Zukunft" (S. 109 bis 128). Eine inspirierende Essay-Sammlung einer erhellenden Stimme der lateinamerikanischen Literatur, die sich auch in den düstersten Zeitenihre Lebenslust nicht nehmen lässt.
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BIOGRAFIEN
Armin Strohmeyr "Dichterkinder"
, Piper 2020, 384 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Die beiden berühmtesten Kinder von Thomas Mann, Erika und Klaus, haben in den Jahren vor der Machtergreifung der Nationalsozialistenextravagante Freundschaften gepflegt, die zu zahlreichen prickelnden Verwicklungen geführt haben. Zusammen mit Pamela Wedekind, Mopsa Sternheim und Annemarie Schwarzenbach haben sie den Kern eines Zirkels gebildet, der von erotischer Freiheit und revolutionärer Stimmung gleichermaßen geprägt war. Dadurch wurden die Erlebnisse dieses Freundeskreises zu einem Spiegel der damaligen Umbruchszeit. Historisch informativ und unterhaltsam nimmt dieses Buch eine nicht nur literaturwissenschaftlich interessante Perspektive auf diese aufrüttelnden Jahre ein.
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Jens Rosteck "Joan Baez - Porträt einer Unbeugsamen", Osburg Verlag 2017, 350 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Mitreißend geschriebene Biografie über eine Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Über sechzig Jahre prägte Joan Baez durch ihren Einflussgesellschaftliche Veränderung. Sie war mit Martin Luther King befreundet und hat Seite an Seite mit ihm für die Bürgerrechtsbewegung gekämpft. Sie war eine der ersten lautstarken Gegnerinnen des Vietnamkriegs. Der spätere tschechische Präsident Vaclav Havel hat eines ihrer Konzerte als einen Schlüsselmoment im Zuge der Samtenen Revolution bezeichnet. National wie auch international hat sie wieder und wieder ihre Musik mit politischem Aktivismus verknüpft und ganze Generationen inspiriert. Hervorragend recherchierte Lebensgeschichte einer mutigen Frau.
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Zora Neale Hurston „Barracoon“, Penguin Verlag 2020, 220 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Oluale Kossola, genannt Cudjo Lewis, wurde 1860 als junger Mann auf dem letzten Sklavenschiff vom heutigen Benin verschleppt und in den USA versklavt. Die afroamerikanische Autorin Zora Neale Hurston (1891 bis1960) hat ihn 1927 interviewt. In diesem erst 2018 in den USA erstmals veröffentlichten Buch entfaltet sich die grauenvolle Geschichte dieses letzten Überlebenden der amerikanischen Sklaverei und erzählt anhand dieser Biografie stellvertretend die Geschichte jedes Opfers dieses unfassbaren Verbrechens. Die große Tragik im Leben dieses Mannes wird zu einem schmerzhaften Spiegel der Welt. Ein faszinierendes Zeitdokument von fulminantem historischem Wert.
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Ruth Klüger "weiter leben", dtv 1994, 288 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Die 1931 in Wien geborene Ruth Klüger erzählt in dieser Autobiografie von ihrer Jugend als Jüdin während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Als sie mit sieben ins Kino schleicht, um Walt Disneys "Schneewittchen" zu sehen, droht ihr eine Nachbarstochter mit Anzeige. Mit elf kommt sie ins KZ. Ihre grauenvollen Erfahrungen erzählt sie mit bemerkenswerter Offenheit und sprachlicher Subtilität gleichermaßen. Diese Mischung macht auch die bedrückende Authentizität dieser bewegenden Autobiografie aus. Die Autorin wanderte 1947 in die USA aus, wurde Literaturwissenschaftlerin und zeigt mit ihrer Geschichte, welche Kraft Literatur zu geben vermag und was "weiterleben" bedeutet.
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Omar Khir Alanam „Danke!“, edition a 2018, 157 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Der 1991 geborene Autor musste 2014 aus seiner Heimat Syrien fliehen und lebt nun glücklich in Graz. Glücklich und dankbar. In seinem Buchbedankt er sich aber nicht aus einer kindlich-devoten Haltung heraus. Er artikuliert eine Dankbarkeit, die man ihm glaubt. Und selbst zu verspüren beginnt, wenn man die grauenerregenden Elemente seiner Geschichte erfährt. Oma Khir Alanam ist ein hochtalentierter junger Mann, mit einer mitreißenden Sprache und einem Engagement für junge Menschen, das ihn zu einem tollen Role-Model macht. Seine Poetry-Slams, Reden und Auftritte sind im ganzen Land beliebt und man ist überzeugt, dass die Lektüre seines Buches „Danke!“ auch viele andere Menschen zur Dankbarkeit inspiriert.
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SACHBÜCHER
​Steve Speirs „Die Push-Up Challenge“
, riva 2018, 151 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Im beliebten Sportbuch-Verlag riva finden sich auch zahlreiche Bücher über Trainingsmöglichkeiten ohne Studio, ohne Equipment, ohne Kosten. Gerade in Zeiten der Isolation bietet sich Functional Training zum Ausgleich von den Anstrengungen im Homeoffice besonders gut an. Der Liegestütz ist dabei eine der Königsübungen. Sie ist eine hervorragende Ganzkörperübung, die sowohl Oberkörper als Körpermitte und Beine kräftigt. Mit diesem gut strukturierten Trainingsprogramm wird Sportbegeisterten aller Fitnesslevel ermöglicht in sieben Wochen die Anzahl geschaffter Liegestütze systematisch zu steigern. Ein wunderbarer Ausgleich, der sich problemlos auch in den hektischsten Alltag integrieren lässt.
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Ariadne von Schirach "Du sollst nicht funktionieren"
, Tropen 2019
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Wir leben in einer Ära der Selbstoptimierung. In unserem Streben nach dem perfekten Leben leben wir nicht mehr, wir treten nur noch auf. In unseren Beziehungen, auf unseren Social-Media-Profilen, beim Sex, in der Freizeit, in unseren Familien, in allen Bereichen unseres Lebens geht es nur noch um die möglichst profitable Performance. Wir nehmen am Leben nur noch teil. Und sind nicht mehr. Die Autorin widmet sich mit philosophischer Finesse und eleganter Argumentation einer neuen Lebenskunst. Und stellt dabei essentielle Fragen. Wollen wir unser Inneres als Teil unserer Existenz erleben oder unser Fühlen nur mehr von den Ängsten, die andere uns vorschreiben, kneten lassen?
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Stephen Pinker „Aufklärung jetzt“, S. Fischer 2018, 736 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Steven Pinker ist Professor für Psychologie an der Harvard University und reflektiert in seinem Plädoyer für die Bedeutung der Aufklärung über Facetten des modernen Lebens, die dafür sorgen, dass wir uns oft selbst im Weg stehen. Er macht sich mit messerscharfer Argumentation auf den Weg durch die Jahrhunderte und lässt uns erkennen, was wir der Aufklärung alles zu verdanken haben. Intellektuelle Überzeugungskraft, mitreißend zu lesende Sprache und eine unumstößliche Realität machen den Reiz der Lektüre dieses Buches aus: Mit unserem Augenmerk auf die Werte der Aufklärung können wir erkennen, dass die Welt ein besserer Ort ist, als einzelne Machthaber und Medien uns einreden wollen.
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Paul Mason „Klare, lichte Zukunft“, Suhrkamp 2019, 414 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Paul Mason verschreibt sich in seinem Buch ganz dem humanistischen Widerstand gegen grassierenden Fatalismus. Er liefert eine spannendargumentierte Kapitalismuskritik, auch vor dem Hintergrund der Fortschritte der Digitalisierung. Er vermengt Internationale Politik, politische Theorie und Geschichtsforschung eloquent zu einem fabelhaften Plädoyer für eine Rückbesinnung auf die Werte des Humanismus in einer sich radikal verändernden Welt. Ausgehend von frühen Werken von Karl Marx reflektiert der Autor mit feiner Klinge über die Tatsache, dass der Mensch sowohl ein selbstbestimmtes als auch ein gemeinschaftliches Wesen ist. Eine lesenswerte Erinnerung an die Werte der Aufklärung.
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Bernard E. Harcourt „Gegenrevolution. Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger.“, S. Fischer 2019, 479 Seiten
Buchtipp von MARKUS JÄGER
Der amerikanische Professor Bernard E. Harcourt ist Fachmann für das Thema „Straf- und Überwachungsgesellschaft“. In dieser Studie reflektiert er über das Modell „Aufstandsbekämpfung“, das ursprünglich für die Niederschlagung von Widerständen in Kolonialgebieten entwickelt worden war und wie es sich in der Gegenwart äußert. Carolin Emcke, die2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandel ausgezeichnet wurde, schreibt im Vorwort: „Die Militarisierung des Politischen, das Ausspielen von Bürger- und Freiheitsrechten durch die Logik der simulierten Gefahrenabwehr, spielt Harcourt auf innenpolitischem und außenpolitischem Feld durch.“ (S. 13).
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