Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 

Ausstellung

Benjamin Zanon - Kopfmaschine

22.08. - 21.09.2019
Die Kopfmaschine

Sie läuft und läuft ganz unbeirrt.

Sie läuft schon seit ich denken kann und denkt schon
seit ich laufen kann. 

Sie läuft bereits wenn ich morgens wach werde, doch
richtig gut erst nach einer Tasse Kaffee. 

Sie läuft mit mir ins Atelier, flüstert mir neue
Ideen ein, versucht mir alte auszureden. Sie läuft mit mir auf den Berg,
neuerdings am liebsten auf die Arzler Alm und dann weiter auf die Herz-wiesen.
Hirn verlangt nach Herz, sagt sie und bringt mich damit zum Lachen.

Meistens verstehen wir uns ja gut, die Kopfmaschine
und ich. Manchmal allerdings, da nervt sie mich ein wenig und ich würde sie
gerne für ein paar Stunden abstellen, oder sie eintauschen, eine andere
aufsetzen, einfach um zu erfahren wie das so ist... Wie sieht die Welt denn so
aus, aus deinen Augen betrachtet?

Doch ganz egal was du sagst, ich werde es nie
erfahren.

Abends schickt mich die Kopfmaschine noch schnell
von Ort zu Ort. Von Innsbruck über Düsseldorf, von Wien über den Mond nach
Washington DC in wenigen Minuten, ganz ohne Aufenthalt und bei vergleichsweise
geringem CO2 Ausstoß.

Die Augen sind schon geschlossen da ruft sie noch:
Wach auf, ich hab da was vergessen, das sollte doch unbedingt erledigt werden,
am besten gestern noch...

Etwas mürrisch begleitet sie mich in den Schlaf und
während der ganze Körper ruht tuckert sie weiter munter vor sich hin: Das
bekannte Gesicht einer vergessenen Person erscheint im leeren Raum. Eine Stimme
spricht geräuschlos, die U-Bahn fährt jetzt bis nach Lienz das neuerdings am
Meer liegt. Doch noch bevor ich eintauchen kann, in das kühle Salzwasser
verliere ich den Boden unter den Füßen. Am nassen Waldboden ausgerutscht, den
Halt verloren, ein Schlag geht durch den ruhenden Körper. Scheint da der Mond
fast voll über die Kalkspitzen? Ist es deshalb so hell hier drinnen? Ist das derselbe
Ort an dem ich gestern eingeschlafen bin? Bin ich derselbe, der Schläfer, der
Träumer, der Wache, der Denker?

Oder hat jemand über Nacht heimlich alles
ausgetauscht?

 
Benjamin Zanon: geboren 1981 in Lienz/Osttirol;
Studierte erst Architektur und Philosophie in Wien und ab 2008 freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. 
Ab 2009 war er Student beim britischen Bildhauer Richard Deacon, als dessen Meisterschüler er 2015 sein Studium beendete. 
Seit 2015 lebt und arbeitet er wieder in Tirol, hauptsächlich in Innsbruck und Lienz.


www.benjamin-zanon.at
 
Öffnungszeiten
Montag: 14:00–19:00 Uhr
Dienstag - Freitag: 10:00–19:00 Uhr
Samstag: 10:00–17:00 Uhr
An Sonn- und Feiertagen geschlossen.

Plattform 6020
Fördergalerie der Stadt Innsbruck

Amraser Straße 2
A-6020 Innsbruck
Tel. +43 512 5360 1651
post.kulturamt@innsbruck.gv.at