Kunstankäufe der Stadt Innsbruck 2022

Jürgen Bauer, Claudia Fritz, Ina Hsu, Alexandra Kontriner, Thomas Laubenberger-Pletzer, Thomas Medicus, Lucas Norer, Helmut P. Ortner, Ilona Rainer-Pranter, Gregor Sailer, Verena Schatz, Elisabeth Schutting, Martina Tscherni

05.11. – 05.01.2023

Ankaufsjury: Rosanna Dematté, Christoph Hinterhuber
Kuratierung der Ausstellung: Natalie Pedevilla

Thomas Laubenberger-Pletzer
o.T., aus der Serie `language of space 2´, 2018/21
Nr. 8(h), 9(i), 10(j), 12(l), 13(m), 14(n)
6-teilig, Fineliner auf Papier
je 21 cm x 29,7 cm

Die gezeichnete Linie als ursprüngliche, minimale und unmittelbare künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, sowie der sie umgebende Raum sind die beiden zentralen Medien des Künstlers. (…) Dies geschieht etwa in Form von Freihand-Umrisszeichnungen oder als mit dem Lineal gezeichnete serielle Konstruktionen sowie Schriftbildern als dafür vom Künstler speziell entwickelten Alphabeten aus quadratischen oder kubischen Kleinbuchstaben an der Grenze von abstrakten und lesbaren Zeichen. Stets geht es dem Künstler dabei um das Hinterfragen von Wahrnehmung und Sehgewohnheiten mit minimalen Mitteln.

Verena Schatz
Hang in there, 2021
Glas mundgeblasen, Wandhaken
ca. 30 x 15 cm

Verena Schatz begreift Glas als ein Material, das ambivalente Eigenschaften verkörpert und setzt diese widersprüchlichen Qualitäten gezielt ein. Sie lotet dieses facettenreiche Material stets neu aus und erzeugt mit ihren Werken irritierende und poetische Momente. Glas wird dabei zum Mittler, Körper, zur Projektionsfläche, es verbindet und trennt und schafft Nähe wie Distanz. Verena Schatz’ große Leidenschaft gilt vor allem dem noch flüssigen, formbaren Heißglas. Dieser Zustand des Fließenden, der jeden Moment erstarren kann, findet sich thematisch auch oft in ihren Arbeiten.


Alexandra Kontriner
Breitwegerich (aus der Serie „Pioniere“), 2020
Aquarellfarbe und Bleistift auf Papier
76 x 56 cm

Die Künstlerin arbeitet hauptsächlich in Serien mit Bleistift und/oder Aquarellfarbe auf Papier. Zunehmend beschäftigt sie sich mit ökologischen Themen und spürt Veränderungsprozessen in der Natur nach. Seit 2019 arbeitet Kontriner an der Serie „Pioniere“, die sich städtischen Pionierpflanzen widmet. Das sind Pflanzen, die neue, noch vegetationsfreie Gebiete besiedeln. Bei Recherchegängen sammelt sie solche Exemplare, trocknet diese und hält sie schließlich auf Büttenblättern fest. Es entstehen zarte Pflanzen-Porträts, die von der unbändigen Kraft der Natur sowie von den Folgen von Globalisierung und Klimawandel erzählen. Parallel dazu malt die Künstlerin seit 2019 dichte Landschaftsaquarelle in schwarz-weiß, die thematische Bezüge zu ihren grafischen Bildern aufweisen.

Elisabeth Schutting
Aus dem Paradies, 2021
Mischtechnik auf Papier auf Leinwand
90 x 160 cm

Das Gemälde zeigt eine Interpretation der Vertreibung aus dem Paradies von Michelangelo vor dem skizzenhaft dargestellten Petersdom in Rom. Das Paradies wird durch die wuchernde Natur, die mittels Monotypie auf den Bildhintergrund aufgebracht wurde, dargestellt. Eine Mohnblume, die in Großbritannien beim Poppy Appeal zum Gedenken an Kriegsverstorbene symbolische Bedeutung erfährt, sticht im Vordergrund heraus, bildet eine optische Verbindung zum Erzengel mit dem Schwert.

Helmut P. Ortner
Systemblätter, 2021
3-teilig, Tusche, Acryl, Schreibmaschine, Collage auf Finnpappe
je 70 x 50 cm

Die zentrale Konstante in Helmut P. Ortners Werk ist der Dialog zwischen Text und Bild. In seinen Arbeiten verdichtet er Gedankensplitter – gezeichnet, gemalt, geschrieben – zu rätselhaften Botschaften und spielt, hintergründig-humorvoll mit der Dynamik von Form und Inhalt, mit der Kombination von Schrift und Bild. Die Texte verfasst er entweder selbst oder sie stammen von AutorInnen, mit denen er sich intensiv beschäftigt. Geschrieben wird manuell mit Stahlfeder, unter Verwendung einer Schablone oder getippt mit einer alten Schreibmaschine. Große Themenkomplexe wie Umweltzerstörung, Gleichberechtigung oder Folgen des Kapitalismus werden ebenso verhandelt wie die kleinen alltäglichen Dinge und das eigene Künstlerdasein.

Verena Schatz
This Is About You, 2015
Milchüberfang Glas, ofengeformt, polierte Linse, Spiegel
90 x 10 cm

Das Kunstwerk fordert die BesucherInnen auf, im Kern genauer hinzusehen. Dann erschließt sich der Titel der Arbeit.

Ina Hsu
Wandelnde Blätter, 2020
Öl auf Holz
60 x 40 cm

Die Erfahrungen ihrer Kindheit in Tirol, nie ganz dazugehörend, und des Lebens mit Tieren und der Liebe zu ihnen, als Begleiterinnen und Kameraden, sind einige der wichtigen Impulse für Ina Hsu‘s Arbeiten. Ihre großformatigen, naturalistisch gemalten Bilder zeigen Tiere (und manchmal Menschen), die in einem freien Habitat koexistieren. Die realistischen, sorgfältig und präzise gestalteten Subjekte von Hsus Abbildungen stehen im Gegensatz zu den monochromen Hintergründen, welche die Stärke der ProtagonistInnen hervorheben. Darunter mischen sich auch imaginäre Ökosysteme, in denen Tiere und Pflanzen miteinander gedeihen, wo Körper andere Körper beinhalten und Organismen andere Organismen als kreative Vision umfangen, und all das im Kontext der Ressourcenknappheit, entfalten sich vor unseren Augen.

Claudia Fritz
o.T. (Human­Nature 33+27+X+38), 2016
4-teilig, Lambda-Abzug auf Alu­Dibond kaschiert
30 x 53 / 30 x 45 / 30 x 30 / 30 x 40 cm
Edition: 4 + 1 AP

Ausgangspunkt der Serie ist die Fragestellung, ob wir in der geochronologischen Epoche des „Anthropozän“ überhaupt noch in der Lage sind, menschliche Eingriffe in der Landschaft als solche zu identifizieren. Als ersten Schritt wurden archetypische Natur-­ aber auch von Menschen geplante Parklandschaften fotografiert. Die Künstlerin verschiebt jedoch den Blick weg vom instinktiv ausgewählten Fragment der scheinbar unberührten Landschaft und rückt die Spuren der Zivilisation in den Fokus, um diese Spuren in einem zweiten Schritt digital zu verdecken. Für die BetrachterInnen bleibt rätselhaft, was sich hinter den schwarzen Rechtecken verbirgt. Das Schwarz behauptet seine eigene Präsenz und rückt das ursprüngliche Motiv von einer veränderten Perspektive aus in ein neues Licht.


Jürgen Bauer
House (Deconstruction) 19/03 1-3, 2019
3-teilig, Acryl auf Papier
je 50 x 35 cm

Jürgen Bauer beschäftigt sich in seinen Werken seit geraumer Zeit mit der Form des prototypischen Hauses. Vor dem Hintergrund bestehender Klischees über das „Haus“ variiert der Künstler dessen assoziationsreiche Form. Er dekonstruiert, verschiebt und ordnet bestehende Elemente, so dass bauliche und formale Bedingungen in neuen geometrischen Formen definiert werden. Neben reduzierten Arbeiten auf Papier und Leinwand sind im Rahmen dieser Serie auch Objekte entstanden, u.a. die aus Corten-Stahl gefertigte Skulptur „House Repetition 5 Fe“ im öffentlichen Raum für die NHT-Tirol in Jenbach.

Lucas Norer
Friktion, 2020
Audiokomposition: 2-Kanal-Audio 3’48’’ (loop)
Sitzmöbel: Kopfhörer, Audiotechnik, Holz, Lack, Sitzpolster
107 x 82 x 41cm
Edition: 1/1 + 1 AP

Der Klang des Innsbrucker Befreiungsdenkmals auf dem Eduard-Wallnöfer-Platz ist das Ausgangsmaterial für Friktion. Der Gedenkort an einem der heute lebendigsten Plätze in Innsbruck wurde 1948 jenen Personen gewidmet, die ihr Leben für die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus geopfert hatten. Norer hat die akustische Dimensionen des Denkmals und insbesondere der Metallgitter mittels Berühren, Streichen oder Reiben der Gitter mit Kontaktmikrophonen aufgezeichnet. Die Klänge, die zu hören sind, sind dissonant, disharmonisch, eine Friktion, die sich an der Anwesenheit der Metallgitter reibt und auf ihre Präsenz aufmerksam macht. Die Maße und Proportionen des Sitzmöbels sind dem Modulor, einem von Le Corbusier entwickelten Maßsystem, entnommen. Veröffentlicht wurde dieses 1948, im selben Jahr der Fertigstellung des Befreiungsdenkmals. Die Farbgebung in den Farben rot, weiss und blau ist ein Verweis auf die französische Trikolore.

Thomas Medicus
EBBE, 2022
12-teilig, Floatglasspiegel, Stahl
Ø 260 cm, Höhe 90 cm

EBBE war eine standortbezogene Installation für ein stillgelegtes Wasserkraftwerk in Innsbruck, das von 1907 bis 2004 in Betrieb war. Das Projekt machte Energieerzeugung sichtbar und will so für Themen wie Energieknappheit und Gewässerökologie sensibilisieren. Der Großteil der turbinenförmigen Installation besteht aus Spiegeln, die zwei Zwecken dienen: Spiegel haben keine eigenständige Oberfläche, sondern nehmen das Aussehen ihrer Umgebung an. So trug das Material zum ortsspezifischen Charakter der Installation bei. Nachts verteilten darüber hinaus die Spiegel wasserartige Reflexionen über die ganze Halle.
Das Palindrom EBBE als Titel der Installation transportiert nicht nur den spiegelnden Charakter des Kunstwerks. Denn nach der Ebbe kommt bekanntlich die Flut: Diese Dichotomie machte sich die Installation zunutze und transformierte das stillstehende Wasserkraftwerk in einen dynamischen Ort für Kunst und Kultur. Die Installation wird nach der Ausstellung im Rathausturm dauerhaft präsentiert.

Alexandra Kontriner
Gletscher (aus der Serie „What If…“), 2020
Aquarellfarbe auf Papier
145 x 95 cm

Text siehe oben.

Martina Tscherni
Schwarzer Punkt, 2019
Graphit, Buntstift, Collage auf Papier
130 x 150 cm

Die Betrachtung von Kleinstlebewesen und Mikroorganismen eröffnet einen eigenen visuellen Kosmos. Aus Martina Tschernis Arbeiten spricht eine besondere Faszination für die Erscheinung dieser Lebensformen. Ihre Werke erinnern an botanische und zoologische Zeichnungen des 19. Jahrhunderts als die Zeichnung eine zentrale naturwissenschaftliche Untersuchungsmethode, ein Instrument der detaillierten Beobachtung und Analyse war. Zugleich unterscheiden sie sich vom Ansatz der Naturwissenschaften, denn obwohl die Darstellungen anatomisch präzise umgesetzt sind, verfolgen sie nicht das Ziel einer instruktiven Vermittlung biologischer Kontexte. Die Zeichnungen heben vielmehr den oft ornamentalen, teils symbolhaft anmutenden Charakter der biomorphen Struktur der Organismen hervor.

Gregor Sailer
EastGRIP I, Northeast Greenland Ice Sheet, Ice Core Project, 2019
aus der Serie: The Polar Silk Road
C-Print, Alu-Dibond
100 x 160 cm
Edition: 5 + 2 AP

Gregor Sailer
Krafla Geothermal Power Station VII, Iceland, 2021
aus der Serie: The Polar Silk Road
C-Print, Alu-Dibond
100 x 160 cm
Edition: 5 + 2 AP

The Polar Silk Road setzt sich mit der wirtschaftlichen Nutzung der arktischen Regionen und den territorialen Ansprüchen der jeweiligen Anrainerstaaten auseinander. Die damit einhergehenden Konsequenzen sind geopolitische Spannungen sowie der Ausbau der militärischen Strukturen und Forschungsstationen, die in dem Projekt beleuchtet werden. Der Titel bezieht sich auf die zukünftige chinesische Arktis-Politik, veröffentlicht im Arctic White Paper 2018. Temperaturen bis zu 55 Grad Celsius unter null, militärische Sperrzonen, aufwändige Recherche und die Unberechenbarkeit der Arktis machten dieses Projekt mit der analogen Fachkamera zu einer enormen Herausforderung.

Ilona Rainer-Pranter
TAU, 2021
Gouache, Öl und Buntstift auf Leinwand
170 x 150 cm

Ilona Rainer-Pranter
AUSZIEHHAUS, 2021
Öl, Buntstift und Gouache auf Leinwand, 40 x 30 cm
NEAPELGELB, 2022
Öl und Gouache auf Leinwand, 40 x 30 cm

Die aktuelle Bilderserie befasst sich mit den endlosen Strukturen digitaler Inhalte und simultan stattfindenden Ereignissen. Der kontinuierlich produzierte digitale Informationsfluss wandelt permanent unsere Gegenwart, die uns somit schneller und unsteter erscheint, da sie gleichzeitig eine Realität an unterschiedlichen Orten ist. Die Gemälde der Künstlerin greifen dieses Phänomen auf. Sie skizziert provisorische Karten über die unterschiedlichen Zonen des Informationsflusses in denen wir schwimmen, durch die wir uns Bild für Bild scrollen. Gefühle und Befindlichkeiten die dabei entstehen werden als abstrakte, malerische Spuren, als Punktwolken, Farbabdrücke und lasierende Flächen metaphorisch wiedergegeben. Alles entsteht gleichzeitig vor unseren Augen, der Beginn und das Ende eines jeden Bildes entfalten sich simultan.

Texte von den KünstlerInnen.


Kunst am Mittwoch:

09. NOVEMBER, 15:00-17:00 UHR
Atelier 6020. Vom Gegenstand zur Abstraktion

Kreativ-Werkstatt für Erwachsene
Anmeldung bis 06.11. an: post.bildende.kunst@innsbruck.gv.at

23. NOVEMBER, 15:00-16:30 UHR [AUSGEBUCHT]
Atelier 6020 minis. Was raschelt in den Blättern?

Kreativ-Werkstatt für Kinder von 4-6 Jahren
max. 10 TN
Ein Wurm, ein Igel oder ein Vogel? Mit verschiedenen Blättern aus der Natur, mit Farben und Fotos fangen wir den Herbst ein.

30. NOVEMBER, 17:45-18:45 UHR
Eintauchen. Kunst & ICH

Erleben Sie eine neue Art der Bildbetrachtung mit „Visual Thinking Strategies“
ohne Anmeldung

14. DEZEMBER, 15:00-16:30 UHR [AUSGEBUCHT]
21. DEZEMBER, 15:00-16:30 UHR [AUSGEBUCHT]
Atelier 6020 kids. Wir malen auf Glas?!

Kreativ-Werkstatt für Kinder von 6-11 Jahren
max. 10 TN
Erfahre wie die spannende Technik der Hinterglasmalerei funktioniert und gestalte dein eigenes Glasbild.
Leider sind nur noch Anmeldungen für Wartelisten zu beiden Terminen möglich: post.bildende.kunst@innsbruck.gv.at
Im Falle von Absagen, kommt die Warteliste zum Zug.


21. DEZEMBER, 17:45-18:45 UHR
Die Kunstankäufe. Juryführung mit Christoph Hinterhuber

ohne Anmeldung


Sämtliche Veranstaltungen können kostenlos besucht werden.


Änderungen vorbehalten
 
Öffnungszeiten
Montag - Dienstag: 14:00–19:00 Uhr
Mittwoch - Freitag: 10:00–19:00 Uhr
Samstag: 10:00–17:00 Uhr
An Sonn- und Feiertagen geschlossen.

Plattform 6020
Fördergalerie der Stadt Innsbruck

Amraser Straße 2
A-6020 Innsbruck
Tel. +43 512 5360 1651
post.bildende.kunst@innsbruck.gv.at