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Alice ♡ Gulliver Vol. 2

Gast-Ausstellung der Studierenden der [Bildnerischen Innsbruck]

Ausstellungsdauer: 15.04. - 08.05.2021

Das letzte Jahr hat zeitliche und räumliche Handlungsmuster plötzlich umgestellt, potenziert und gleichzeitig auf das Nötigste reduziert. Es war ein Jahr, das unser Leben und Arbeiten um eine virtuelle Dimension des Miteinanders erweitert und unsere Routinen und Maßstäbe auf den Kopf gestellt hat.

„Alice ♡ Gulliver“ ist ein modellhaftes Ausstellungsformat, das gemeinsam von den Lehrenden und Studierenden des Studienzweigs [Bildnerische Innsbruck] der Universität Mozarteum initiiert wurde, um künstlerisch in diesen eingeschränkten Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Es thematisiert gleichermaßen die An- und Abwesenheit und die unterschiedlichen Dimensionen von Raum, Zeit und Miteinander. Die Ausstellung zeigt Arbeiten der Studierenden aller Klassen Bildhauerei, Neue Medien, Grafik und Malerei und gibt Einblick in die vielfältigen künstlerischen Prozesse, die von Miniaturen und Modellen bis hin zu In-situ-Projekten reichen.
„Alice ♡ Gulliver“ ist das Modell einer realen und visionierten Ausstellung im Maßstab 1:12. Vol. 1 kann in Form eines digitalen Modells bereits online besichtigt werden: https://my.matterport.com/show/?m=vy3zymB1fg5
Für Vol. 2 sind neue Arbeiten entstanden, die ebenfalls digital zugänglich gemacht werden.

Entweder war der Schacht sehr tief, oder sie fiel sehr langsam, denn sie hatte im Fallen hinreichend Zeit sich umzusehen und sich zu fragen, was wohl als Nächstes geschehen würde. (Lewis Carroll, Alice im Wunderland)

Zeit ist ein soziales Phänomen. Das Soziale ist das Wesen von Zeit. Zeit ist der Motor der Interaktion. Eine einzelne Uhr funktioniert nur dann, wenn sie sich auf andere Uhren um sich herum bezieht. Und doch kann keine einzige Uhr, kein einziges Komitee allein Hüter der perfekten Zeit sein.
„Zeitwahrnehmung ist ansteckend. Während wir miteinander reden und einander betrachten, schwingen wir rein und raus in die und aus der Erfahrung des anderen und damit auch in und aus dessen Wahrnehmungen von Dauer (oder was wir aufgrund der eigenen Erfahrungen dafür halten).“ (Anthony Burdik)

Individuen passen sich den Rhythmen anderer Menschen an und verleiben sich die Zeit anderer Menschen ein. Jede Empfindung von Zeit ist an sich eine Art Metapher. Wir sind stets in sie verstrickt. Wenn wir über Zeit reden, nehmen wir auf unterschiedlichste Erfahrungen Bezug. Man kann solche Zeitverzerrungen auch als Manifestationen von Empathie verstehen. Wer sich die Zeit eines anderen einverleibt schlüpft in dessen Haut.

„Zeit ist das, was geschieht, wenn sonst nichts geschieht. (…) Zeit zählt zu den Dingen, die wir (im lexikalischen Sinne) vermutlich nicht definieren können (…) Die eigentliche Rolle spielt ohnedies nicht, wie wir Zeit definieren, sondern nur, wie wir sie messen.“ (Anthony Burdik)

„Die Mathematiker hätten die Größe meines Körpers mit einem Quadranten aufgenommen, und da sie nun berechneten, dass diese die ihrige im Verhältnis von 12 zu 1 übertraf, zogen sie aus der Ähnlichkeit unserer Körper den Schluss, dass der meinige wenigstens 1824 der ihrigen enthalten müsse.“ (Jonathan Swift, Gullivers Reisen)

Ein Modell ist ein Möglichkeitsraum: Es ist eine Hilfskonstruktion für künstlerische Experimente und formale Tests, bevor sie in Realgröße umgesetzt werden. In der maßstäblichen Verkleinerung können räumliche Fragen, Proportionen und Bezüge sozusagen „von oben herab“ geklärt werden. Der Körper bildet ein hierarchisches Gegenüber als Riese, die menschliche Hand, die die Objekte platziert oder verschiebt, erscheint als mächtiges Überwesen. Die Dimensionsverschiebung, die sowohl die Freude am Spiel als auch der Zerstörung impliziert, scheint die Spannung und die Faszination auszumachen, die „metaphysische Ausgleichsübung“, die es uns erlaubt „mit geringem Risiko weltschöpferisch zu sein.“ (Gaston Bachelard)
In unserer Imagination wird die Miniaturwelt real und eigenständig, egal ob es sich dabei um eine Modelleisenbahn, ein Puppenhaus oder ein Architekturmodell handelt. Wir fühlen uns nicht als Gulliver, sondern als Teil dieser Realität, als Teil der Vorstellung. Sie erscheint uns sogar unhierarchischer als die tatsächliche Lebenswelt, sind wir doch diejenigen, die sie selbstbestimmt gestalten. Insofern sind Modelle keineswegs „sentimental“ (Walter Grasskamp), sondern als Geste der räumlichen (Wieder)Aneignung zu verstehen, als aktive Auseinandersetzung und spielerische Annäherung an die tatsächlichen Dimensionen von Welt. Sie beherbergen subversives Potential, „gerade weil sich Modelle nicht selber größer machen, sondern eher kleiner, wobei sie im selben Zug den Imaginationsraum vergrößern.“ (Martin Hartung)

Wenn räumliche Vorstellung und Zeitlichkeit eine Verbindung eingehen wird ihr flexibles und visionäre Potential in ungeahnte Dimensionen erweitert. Es entwickelt sich kein Horrorszenario wie im Bild des Harold Floyd, der in luftiger Höhe eines Wolkenkratzers verzweifelt und komisch den letzten Halt an einem Uhrzeiger findet, als wäre die Zeit der Retter in der Überdimensionalität urbaner Gefüge. Im Gegenteil, wenn Alice und Gulliver einander ins Herz schließen, scheint nichts unmöglich, das Kleinste machbar, das Größte denkbar, das Langsamste erfahrbar und das Schnellste wahrnehmbar.

Der Studienzweig [Bildnerische Erziehung] der Universität Mozarteum Innsbruck befindet sich direkt über der Galerie in der Amraser Straße 4.

Mehr Informationen zur [Bildnerischen Innsbruck] finden Sie auf folgender Website:
http://www.bildnerische.at

Vom 21. bis 23.4. finden dort parallel zur Ausstellung die Tage der offenen Tür statt.



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