Literaturtipps vom Juli 2026
Dagmar Hager »Mallorca – Insel des Schweigens«
Der neue Krimi von Dagmar Hager entführt die Leser*innen auf die beliebte Urlaubsinsel Mallorca.
Wenn die Vergangenheit nicht schweigt
Im Mittelpunkt steht Elena Vela, eine ehemalige Profilerin, die auf der Insel ein ruhigeres Leben beginnen möchte. Doch als ein Mord geschieht, wird sie unweigerlich in die Ermittlungen und ihre Vergangenheit hineingezogen.
Besonders gelungen sind die stimmungsvollen Beschreibungen der Insel, die echtes Urlaubsfeeling vermitteln. Gleichzeitig sorgt der Kriminalfall für Spannung und macht neugierig auf die Auflösung. Die Handlung wirkt stellenweise etwas langatmig, bleibt aber durch die sympathische Hauptfigur und die besondere Atmosphäre unterhaltsam.
Ein lesenswerter Krimi für alle, die spannende Geschichten mit mediterranem Flair mögen und sich gedanklich nach Mallorca entführen lassen möchten.
→ E-Book
→ Buch
Marina Vujčić »Sicheres Haus«
Mit Sicheres Haus erzählt Marina Vujčić eine eindringliche Geschichte über Gewalt, Angst und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Der Mut, das Schweigen zu brechen
Im Mittelpunkt steht Lada Lončar, die nach der Tötung ihres gewalttätigen Ehemanns im Frauengefängnis sitzt. Ihr Mann, ein Universitätsprofessor, war nach außen hin angesehen und erfolgreich, hinter verschlossenen Türen jedoch kontrollierend, gewalttätig und über Jahre hinweg ihr Peiniger. Erst im Gefängnis erzählt sie ihre Geschichte und zeigt eindringlich, wie häusliche Gewalt schleichend das Leben eines Menschen bestimmt.
Marina Vujčić schreibt klar und eindrucksvoll über ein gesellschaftlich hochaktuelles Thema, ohne dabei zu urteilen. Ein bewegender Roman, der lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Aus dem Kroatischen übersetzt von Mascha Dabić.
→ Buch
→ E-Book
Christoph W. Bauer »Lärm«
Emil Murnau reflektiert über Literatur und Träume, das Leben und den Zufall. Zu dem auch wir gehören. Oder vielleicht auch nicht.
Nur ein Zufall
Der 55-jährige Emil Murnau lebt und arbeitet in Innsbruck. Er ist hierher zurückgekehrt, nachdem weder die Liebe zu Martina noch seine Arbeit an einem Buch geglückt waren. Nun flaniert er durch einen zufriedenen und sicheren Alltag, der ihn vor allem mit einem Gefühl der Leere erfüllt.
Christoph W. Bauer widmet diesem Flaneur eine Novelle, die sich mit flottierenden Tastbewegungen in die emotionale Tiefe und Vergangenheit seines Protagonisten vorwagt und dabei eine universelle Reflexion über unseren Platz im Leben präsentiert. Erfüllt von einer Lebens- und Literaturfreude, die sich der Melancholie des Lärms in unserer überdrehten Gegenwart wie auch unserer abgelenkten Aufmerksamkeit nicht zu beugen gedenkt.
→ Buch
Leodora Darlington »The Exes«
Nach toxischen Erfahrungen glaubt Natalie in James die Liebe gefunden zu haben. Die Familie, die sie nie hatte. Doch ihre Ehe erweist sich als gefährliche Illusion.
Liebe ist eine Illusion
In düsterer Thriller-Atmosphäre entfaltet sich – zunächst bruchstückhaft, dann immer schneller und mitreißender – was mit den Ex-Freunden passiert ist, die allesamt tot sind. Die ghanaisch-britische Autorin richtet den Fokus weniger auf die Umstände der Todesfälle als auf Natalies Wahrnehmung ihrer Geschichte: Ungeschönt erzählt sie Natalies Vergangenheit und verankert den Plot in einem Twist, der den bisherigen Erzählrahmen radikal verschiebt.
Diese unbarmherzige Geschichte ist nichts für schwache Nerven. Sie schält Zwischenmenschlichkeit wie eine Zwiebel, bis am Ende kaum etwas Sicheres übrigbleibt. Die mitreißende Wirkung entsteht vor allem aus dem rhythmischen Wechsel von Identifikation und Distanz zur Protagonistin.
Ein handwerklich und psychologisch präziser Roman über die Illusion von Liebe.
→ Buch
Romain Gary »Lady L.«
Eine feine Dame will nicht, dass ihr Pavillon einem Straßenbauprojekt weichen soll. Vor allem, weil sich dort das Geheimnis ihres nicht sehr aristokratischen Lebens offenbart.
Not a Lady
Romain Gary erzählt in dieser amüsanten Geschichte, wie wenig ladylike das Leben der 80-jährigen Protagonistin verlaufen ist. Von der Prostitution im Frankreich des 19. Jahrhunderts hin zur Aristokratin im England des 20. Jahrhunderts war es ein langer Weg. Der rote Faden dabei ist ihre Liebe zu einem gutaussehenden Anarchisten.
Lady L. besticht durch eine Grande Dame der Zielstrebigkeit, die sich gezwungen sieht ihrem Dichterfreund Percy von ihrer verstrickten Vergangenheit zu berichten. Der Humor beim Lesen dieser elegant geschriebenen Geschichte vermag es gekonnt zwischen Freiheit und dem Joch auferlegter Rollen zu tänzeln.
Erstmals 1958 erschienen und später mit Sofia Loren verfilmt. Zu finden in unserer Abteilung Klassiker der Weltliteratur.
→ Buch
Linea Maja Ernst »Fast Abend, immer noch Hell«
Eine Geschichte, leicht wie ein warmer Sommerabend – und doch tiefgründiger, als erwartet.
Verborgene Sehnsüchte
Mittsommer in Dänemark, ein Ferienhaus am See: Eine Kulisse, fast zu schön, um wahr zu sein. So wie die Leben der ehemaligen Studienkolleg*innen, die dort eine gemeinsame Woche verbringen. Was zunächst wie ein Klischeeroman über Millennial-Lebensentwürfe erscheint – von der Vorzeigefamilie über das lesbische Paar bis zur queeren Person –, entfaltet sich zu einer Geschichte voller Sehnsüchte, Moral und sexuellem Verlangen.
Den authentischen Blick hinter die scheinbar perfekten Fassaden schafft der Roman, indem er die Perspektiven der jeweiligen Figuren einnimmt. Ein lesenswert lockeres Debüt der dänischen Autorin. Ideal für einen langen Sommerabend und Fans von Sally Rooney.
→ Buch
Emilie Mataja »Anständige Frauen«
Ein herrlich ironischer Roman über die bigotte Doppelmoral des k.u.k.-Landadels. Erzählt aus weiblicher Perspektive.
Zeitreise nach Kakanien
Die Zutaten: Ein heruntergewirtschaftetes Schloss in der slowakischen Provinz, eine schöne Kutscherstochter, ein verarmter Graf mit Hang zum Seitensprung und der überraschende Besuch seiner reichen Gemahlin samt Entourage. Was folgt ist ein Beziehungsdrama samt temporeicher Gesellschaftssatire über Standesunterschiede und Geschlechterrollen – mit Frauen, die klug, mutig, skandalös und alles andere als anständig sind.
Der ursprünglich 1906 erschienene Roman ist eine Wiederentdeckung. Schon allein der historische Stil und das Bewusstsein, dass die Autorin zeitgenössisch schreibt, macht ihn zu einem besonderen Leseerlebnis.
Die Neuauflage erscheint mit historischer Einordnung und einer Biografie der zu Ihrer Zeit erfolgreichen österreichischen Schriftstellerin Emilie Mataja (1855–1938).
→ Buch
Patricia Jozef »Gentlemen«
Was tun, wenn der eigene Mann kein sexuelles Interesse mehr zeigt? Der Roman schildert raffiniert einen Ausweg.
Weibliches Begehren
Eigentlich führt Marieke ein perfektes Leben: Verheiratet mit ihrer Jugendliebe Vik, zwei Wunschkinder, finanziell sorgenfrei dank der Schwiegereltern. Doch spätestens als sich das Paar, besser gesagt Vik, den Traum vom Landleben erfüllt und seinen Lebensinhalt im Töpfern findet, merkt Marieke, dass sie nicht nur die Stadt, sondern auch körperliche Nähe und Zuneigung vermisst.
Diese erhält sie nach kurzer Suche bei einem Mann, den sie für seine Services bezahlt. Neben der Neuentdeckung ihrer Lust und Sinnlichkeit findet sie auch das in der Ehe vermisste Begehrt-Werden und durchlebt eine Achterbahn an Gefühlen.
Der flämischen Autorin gelingt eine, stellenweise explizit erotische, durchaus realistische Darstellung über sexuelles Begehren aus weiblicher Sicht.
→ Buch
Der neue Krimi von Dagmar Hager entführt die Leser*innen auf die beliebte Urlaubsinsel Mallorca.
Wenn die Vergangenheit nicht schweigt
Im Mittelpunkt steht Elena Vela, eine ehemalige Profilerin, die auf der Insel ein ruhigeres Leben beginnen möchte. Doch als ein Mord geschieht, wird sie unweigerlich in die Ermittlungen und ihre Vergangenheit hineingezogen.
Besonders gelungen sind die stimmungsvollen Beschreibungen der Insel, die echtes Urlaubsfeeling vermitteln. Gleichzeitig sorgt der Kriminalfall für Spannung und macht neugierig auf die Auflösung. Die Handlung wirkt stellenweise etwas langatmig, bleibt aber durch die sympathische Hauptfigur und die besondere Atmosphäre unterhaltsam.
Ein lesenswerter Krimi für alle, die spannende Geschichten mit mediterranem Flair mögen und sich gedanklich nach Mallorca entführen lassen möchten.
→ E-Book
→ Buch
Marina Vujčić »Sicheres Haus«
Mit Sicheres Haus erzählt Marina Vujčić eine eindringliche Geschichte über Gewalt, Angst und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Der Mut, das Schweigen zu brechen
Im Mittelpunkt steht Lada Lončar, die nach der Tötung ihres gewalttätigen Ehemanns im Frauengefängnis sitzt. Ihr Mann, ein Universitätsprofessor, war nach außen hin angesehen und erfolgreich, hinter verschlossenen Türen jedoch kontrollierend, gewalttätig und über Jahre hinweg ihr Peiniger. Erst im Gefängnis erzählt sie ihre Geschichte und zeigt eindringlich, wie häusliche Gewalt schleichend das Leben eines Menschen bestimmt.
Marina Vujčić schreibt klar und eindrucksvoll über ein gesellschaftlich hochaktuelles Thema, ohne dabei zu urteilen. Ein bewegender Roman, der lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Aus dem Kroatischen übersetzt von Mascha Dabić.
→ Buch
→ E-Book
Christoph W. Bauer »Lärm«
Emil Murnau reflektiert über Literatur und Träume, das Leben und den Zufall. Zu dem auch wir gehören. Oder vielleicht auch nicht.
Nur ein Zufall
Der 55-jährige Emil Murnau lebt und arbeitet in Innsbruck. Er ist hierher zurückgekehrt, nachdem weder die Liebe zu Martina noch seine Arbeit an einem Buch geglückt waren. Nun flaniert er durch einen zufriedenen und sicheren Alltag, der ihn vor allem mit einem Gefühl der Leere erfüllt.
Christoph W. Bauer widmet diesem Flaneur eine Novelle, die sich mit flottierenden Tastbewegungen in die emotionale Tiefe und Vergangenheit seines Protagonisten vorwagt und dabei eine universelle Reflexion über unseren Platz im Leben präsentiert. Erfüllt von einer Lebens- und Literaturfreude, die sich der Melancholie des Lärms in unserer überdrehten Gegenwart wie auch unserer abgelenkten Aufmerksamkeit nicht zu beugen gedenkt.
→ Buch
Leodora Darlington »The Exes«
Nach toxischen Erfahrungen glaubt Natalie in James die Liebe gefunden zu haben. Die Familie, die sie nie hatte. Doch ihre Ehe erweist sich als gefährliche Illusion.
Liebe ist eine Illusion
In düsterer Thriller-Atmosphäre entfaltet sich – zunächst bruchstückhaft, dann immer schneller und mitreißender – was mit den Ex-Freunden passiert ist, die allesamt tot sind. Die ghanaisch-britische Autorin richtet den Fokus weniger auf die Umstände der Todesfälle als auf Natalies Wahrnehmung ihrer Geschichte: Ungeschönt erzählt sie Natalies Vergangenheit und verankert den Plot in einem Twist, der den bisherigen Erzählrahmen radikal verschiebt.
Diese unbarmherzige Geschichte ist nichts für schwache Nerven. Sie schält Zwischenmenschlichkeit wie eine Zwiebel, bis am Ende kaum etwas Sicheres übrigbleibt. Die mitreißende Wirkung entsteht vor allem aus dem rhythmischen Wechsel von Identifikation und Distanz zur Protagonistin.
Ein handwerklich und psychologisch präziser Roman über die Illusion von Liebe.
→ Buch
Romain Gary »Lady L.«
Eine feine Dame will nicht, dass ihr Pavillon einem Straßenbauprojekt weichen soll. Vor allem, weil sich dort das Geheimnis ihres nicht sehr aristokratischen Lebens offenbart.
Not a Lady
Romain Gary erzählt in dieser amüsanten Geschichte, wie wenig ladylike das Leben der 80-jährigen Protagonistin verlaufen ist. Von der Prostitution im Frankreich des 19. Jahrhunderts hin zur Aristokratin im England des 20. Jahrhunderts war es ein langer Weg. Der rote Faden dabei ist ihre Liebe zu einem gutaussehenden Anarchisten.
Lady L. besticht durch eine Grande Dame der Zielstrebigkeit, die sich gezwungen sieht ihrem Dichterfreund Percy von ihrer verstrickten Vergangenheit zu berichten. Der Humor beim Lesen dieser elegant geschriebenen Geschichte vermag es gekonnt zwischen Freiheit und dem Joch auferlegter Rollen zu tänzeln.
Erstmals 1958 erschienen und später mit Sofia Loren verfilmt. Zu finden in unserer Abteilung Klassiker der Weltliteratur.
→ Buch
Linea Maja Ernst »Fast Abend, immer noch Hell«
Eine Geschichte, leicht wie ein warmer Sommerabend – und doch tiefgründiger, als erwartet.
Verborgene Sehnsüchte
Mittsommer in Dänemark, ein Ferienhaus am See: Eine Kulisse, fast zu schön, um wahr zu sein. So wie die Leben der ehemaligen Studienkolleg*innen, die dort eine gemeinsame Woche verbringen. Was zunächst wie ein Klischeeroman über Millennial-Lebensentwürfe erscheint – von der Vorzeigefamilie über das lesbische Paar bis zur queeren Person –, entfaltet sich zu einer Geschichte voller Sehnsüchte, Moral und sexuellem Verlangen.
Den authentischen Blick hinter die scheinbar perfekten Fassaden schafft der Roman, indem er die Perspektiven der jeweiligen Figuren einnimmt. Ein lesenswert lockeres Debüt der dänischen Autorin. Ideal für einen langen Sommerabend und Fans von Sally Rooney.
→ Buch
Emilie Mataja »Anständige Frauen«
Ein herrlich ironischer Roman über die bigotte Doppelmoral des k.u.k.-Landadels. Erzählt aus weiblicher Perspektive.
Zeitreise nach Kakanien
Die Zutaten: Ein heruntergewirtschaftetes Schloss in der slowakischen Provinz, eine schöne Kutscherstochter, ein verarmter Graf mit Hang zum Seitensprung und der überraschende Besuch seiner reichen Gemahlin samt Entourage. Was folgt ist ein Beziehungsdrama samt temporeicher Gesellschaftssatire über Standesunterschiede und Geschlechterrollen – mit Frauen, die klug, mutig, skandalös und alles andere als anständig sind.
Der ursprünglich 1906 erschienene Roman ist eine Wiederentdeckung. Schon allein der historische Stil und das Bewusstsein, dass die Autorin zeitgenössisch schreibt, macht ihn zu einem besonderen Leseerlebnis.
Die Neuauflage erscheint mit historischer Einordnung und einer Biografie der zu Ihrer Zeit erfolgreichen österreichischen Schriftstellerin Emilie Mataja (1855–1938).
→ Buch
Patricia Jozef »Gentlemen«
Was tun, wenn der eigene Mann kein sexuelles Interesse mehr zeigt? Der Roman schildert raffiniert einen Ausweg.
Weibliches Begehren
Eigentlich führt Marieke ein perfektes Leben: Verheiratet mit ihrer Jugendliebe Vik, zwei Wunschkinder, finanziell sorgenfrei dank der Schwiegereltern. Doch spätestens als sich das Paar, besser gesagt Vik, den Traum vom Landleben erfüllt und seinen Lebensinhalt im Töpfern findet, merkt Marieke, dass sie nicht nur die Stadt, sondern auch körperliche Nähe und Zuneigung vermisst.
Diese erhält sie nach kurzer Suche bei einem Mann, den sie für seine Services bezahlt. Neben der Neuentdeckung ihrer Lust und Sinnlichkeit findet sie auch das in der Ehe vermisste Begehrt-Werden und durchlebt eine Achterbahn an Gefühlen.
Der flämischen Autorin gelingt eine, stellenweise explizit erotische, durchaus realistische Darstellung über sexuelles Begehren aus weiblicher Sicht.
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