Literaturtipps vom März 2026
Jon Fosse »Vaim«
Eines Tages trifft Jatgeier seine einstige große Liebe Eline wieder und erfährt von ihr, dass sie ihren Mann verlassen will. Ein Roman, der sich stilistisch nahezu in einem einzigen Satz entfaltet.
Ein Buch. Ein Satz.
Literaturnobelpreisträger Jon Fosse erzählt auf unnachahmliche Weise eine an der Oberfläche unterkühlt wirkende Dreiecksgeschichte, die einen nach der Lektüre verdutzt zurücklässt. Schon wenn Jatgeir und Eline einander begegnen, ist spürbar, dass hier Entscheidendes unausgesprochen bleibt. Als Jatgeir stirbt und Eline zu ihrem Mann zurückkehrt, wird deutlich: Eine Geschichte über Möglichkeiten – ergriffene wie versäumte – ist immer auch eine Geschichte über Absurdität.
Gewohnte narrative Strategien finden sich in Fosses Roman kaum. Stattdessen führt die „Stream-of-Consciousness-Technik“ unmittelbar in das Denken und Empfinden der Figuren – so nah, wie selten erlebbar. Anspruchsvoll und zugleich überraschend unterhaltsam.
→ Buch
Anne Stern »Die weiße Nacht«
Der Krieg ist vorbei, doch das Grauen wirkt nach. Eine Mordserie zwischen Trümmern, Hunger und Schuld erschüttert Berlin.
Auch nach dem Krieg
Im Winter 1946 versucht die Berliner Bevölkerung, das Beste aus dem Schlimmsten zu machen. Kriminalkommissar König wird mit einer Leiche konfrontiert, die in den Ruinen der zerbombten Stadt gefunden wird. Lou Faber, die sich mit kaum verkaufbaren Fotografien über Wasser hält, hat die Tote entdeckt – und ihre Aufnahmen liefern eine erste Spur. Was hoch an der Zeit ist, denn weitere Menschen sterben. Weil die Düsternis der Vergangenheit nicht endet, nur weil der Krieg vorbei ist.
Die Autorin verbindet eine kriminalistische Geschichte mit den Nachwirkungen des Krieges und entfaltet ihren Spannungsbogen vor einem glaubwürdig präsentierten, gut recherchierten historischen Hintergrund. Gerade das Gleichgewicht zwischen Krimihandlung und den leisen Antikriegstönen macht den Reiz aus.
→ Buch
Etel Adnan »Hochbranden«
In einem ihrer letzten Texte webt die aus dem Libanon stammende Schriftstellerin eine feinsinnige poetische Rekapitulation eines neugierigen Lebens.
Verlorenes Paradies
Etel Adnan (1925–2021) war eine vielseitige Künstlerin der Moderne und Weltenbürgerin von besonderem Rang. Ihr Schaffen ist geprägt von Verschmelzungen: Kunstformen, Sprachen und Kulturen fließen ineinander.
In ihrem Alterswerk »Hochbranden« flaniert eine betagte Dichterin durch ihr Haus – wie durch ihre Kunst, wie durch das Menschsein selbst. Ein Fresko poetischer Reflexionen entfaltet sich, getragen von der Weisheit des Alters und der Neugier eines Kindes.
Adnan feiert die Erde und betrauert unseren Umgang mit ihr – und erinnert uns: „Das Paradies ist sehr wahrscheinlich langweilig, es sei denn, es ist noch immer ein Garten.“ Eine besondere Empfehlung zum Internationalen Tag der Lyrik am 21. März.
→ Buch
Bibliothekarin Silvia empfiehlt:
Andrea Bajani »Der Jahrestag«
Der Ich-Erzähler feiert einen wichtigen Jahrestag: seit zehn Jahren hat er den Kontakt mit seiner Familie abgebrochen und deshalb die schönsten Jahre seines Lebens erlebt.
Familie ist kein Schicksal.
In einer präzisen, unaufgeregten Erzählweise bringt der Autor zerstörerische familiäre Dynamiken näher, geprägt von Indifferenz und Gewalt: Die Mutter des Ich-Erzählers kann keine eigenständige Existenz führen und lebt in Abhängigkeit ihres Mannes. Ihre Nicht-Existenz wird exemplarisch auf dem Buchcover dargestellt: Auf der Familienszene sind nur die Gesichter von Vater und Sohn zu erkennen. Die Mutter wird von hinten fotografiert, ihr Gesicht ist nicht sichtbar.
Dennoch steht Befreiung im Mittelpunkt der Erzählung. Dem Ich-Erzähler gelingt es, selbstbestimmt zu agieren und sich von diesem Umfeld zu lösen. Zehn Jahre nach seinem endgültigen Abschied blickt er auf seine Familie zurück.
Für den Roman erhielt Bajani 2025 den italienischen Literaturpreis „Premio Strega“.
→ Buch
Bibliothekarin Michelle empfiehlt:
Saara El-Arifi »Kleopatra«
Seit Jahrhunderten fasziniert Kleopatra. Doch wer war sie wirklich? Die Autorin gibt der letzten altägyptischen Königin eine Stimme und lässt sie selbst erzählen.
Ich bin Ägypten und Ägypten ist Ich.
Mit nur 19 Jahren bestieg Kleopatra den Thron, obwohl sie nie dafür vorgesehen war. Wir wissen nur wenig Konkretes über die letzte Königin Ägyptens, da Frauen in der männerdominierten Geschichtsschreibung gern verdrängt werden. Unser Wissen über sie stammt vor allem aus männlich geprägten, oft späten Berichten, die sie auf einfache Rollen reduzieren: Hexe, Hure, Schurkin, etc.
Saara El-Arifi gräbt für ihren Roman tiefer und setzt aus wenigen Fragmenten und ohne Anspruch auf historische Genauigkeit das Bild einer Frau zusammen, die unerbittlich herrschte und ihre Familie bedingungslos liebte. Doch am allermeisten liebte sie ihr Land Ägypten. Ohne Anspruch auf historische Genauigkeit schafft die Autorin eine plausible und authentische Variante des Lebens einer historischen Figur und macht den Mythos zum Menschen.
„Ich bin immer gewesen, was die Menschen finden wollten. […] Archetypen wie die Steinblöcke der großen Pyramiden, die mich immer weiter von meinem Menschsein entfernten, bis ich nur noch ein Mythos war.“
→ Buch
→ E-Book
Bibliothekar Markus empfiehlt:
Francis Scott Fitzgerald»Der große Gatsby«
Zum 100. Jahrestag der Erstpublikation präsentiert der Jacoby & Stuart Verlag eine prachtvolle illustrierte Ausgabe des Klassikers der amerikanischen Literatur.
Illustrierter Klassiker
Die berühmte Geschichte des geheimnisvollen Millionärs Gatsby und seiner unheilvollen Liebe zu Daisy gehört zu den berühmtesten Romanen der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Gatsbys Nachbarn Nick Carraway und hat vor allem durch mehrere Verfilmungen zu Weltruhm gefunden. Die selbst ernannte Oberschicht der amerikanischen Elite der 1920er Jahre wird hier ebenso vorgeführt wie der viel zitierte amerikanische Traum.
Untermalt von hinreißenden Illustrationen präsentiert dieser Klassiker eine Geschichte, die gerade in der politischen Gegenwart nichts von seiner Aktualität verloren hat. Auch nicht 100 Jahre nach der Erstpublikation. Weltliteratur zum Wiederentdecken in unserer Abteilung für Klassiker.
→ Buch
»Der große Gatsby« ist bei uns auch zu finden als Roman, Hörbuch, Film, E-Book, E-Audiobook, Englischsprachiger Roman
Eines Tages trifft Jatgeier seine einstige große Liebe Eline wieder und erfährt von ihr, dass sie ihren Mann verlassen will. Ein Roman, der sich stilistisch nahezu in einem einzigen Satz entfaltet.
Ein Buch. Ein Satz.
Literaturnobelpreisträger Jon Fosse erzählt auf unnachahmliche Weise eine an der Oberfläche unterkühlt wirkende Dreiecksgeschichte, die einen nach der Lektüre verdutzt zurücklässt. Schon wenn Jatgeir und Eline einander begegnen, ist spürbar, dass hier Entscheidendes unausgesprochen bleibt. Als Jatgeir stirbt und Eline zu ihrem Mann zurückkehrt, wird deutlich: Eine Geschichte über Möglichkeiten – ergriffene wie versäumte – ist immer auch eine Geschichte über Absurdität.
Gewohnte narrative Strategien finden sich in Fosses Roman kaum. Stattdessen führt die „Stream-of-Consciousness-Technik“ unmittelbar in das Denken und Empfinden der Figuren – so nah, wie selten erlebbar. Anspruchsvoll und zugleich überraschend unterhaltsam.
→ Buch
Anne Stern »Die weiße Nacht«
Der Krieg ist vorbei, doch das Grauen wirkt nach. Eine Mordserie zwischen Trümmern, Hunger und Schuld erschüttert Berlin.
Auch nach dem Krieg
Im Winter 1946 versucht die Berliner Bevölkerung, das Beste aus dem Schlimmsten zu machen. Kriminalkommissar König wird mit einer Leiche konfrontiert, die in den Ruinen der zerbombten Stadt gefunden wird. Lou Faber, die sich mit kaum verkaufbaren Fotografien über Wasser hält, hat die Tote entdeckt – und ihre Aufnahmen liefern eine erste Spur. Was hoch an der Zeit ist, denn weitere Menschen sterben. Weil die Düsternis der Vergangenheit nicht endet, nur weil der Krieg vorbei ist.
Die Autorin verbindet eine kriminalistische Geschichte mit den Nachwirkungen des Krieges und entfaltet ihren Spannungsbogen vor einem glaubwürdig präsentierten, gut recherchierten historischen Hintergrund. Gerade das Gleichgewicht zwischen Krimihandlung und den leisen Antikriegstönen macht den Reiz aus.
→ Buch
Etel Adnan »Hochbranden«
In einem ihrer letzten Texte webt die aus dem Libanon stammende Schriftstellerin eine feinsinnige poetische Rekapitulation eines neugierigen Lebens.
Verlorenes Paradies
Etel Adnan (1925–2021) war eine vielseitige Künstlerin der Moderne und Weltenbürgerin von besonderem Rang. Ihr Schaffen ist geprägt von Verschmelzungen: Kunstformen, Sprachen und Kulturen fließen ineinander.
In ihrem Alterswerk »Hochbranden« flaniert eine betagte Dichterin durch ihr Haus – wie durch ihre Kunst, wie durch das Menschsein selbst. Ein Fresko poetischer Reflexionen entfaltet sich, getragen von der Weisheit des Alters und der Neugier eines Kindes.
Adnan feiert die Erde und betrauert unseren Umgang mit ihr – und erinnert uns: „Das Paradies ist sehr wahrscheinlich langweilig, es sei denn, es ist noch immer ein Garten.“ Eine besondere Empfehlung zum Internationalen Tag der Lyrik am 21. März.
→ Buch
Bibliothekarin Silvia empfiehlt:
Andrea Bajani »Der Jahrestag«
Der Ich-Erzähler feiert einen wichtigen Jahrestag: seit zehn Jahren hat er den Kontakt mit seiner Familie abgebrochen und deshalb die schönsten Jahre seines Lebens erlebt.
Familie ist kein Schicksal.
In einer präzisen, unaufgeregten Erzählweise bringt der Autor zerstörerische familiäre Dynamiken näher, geprägt von Indifferenz und Gewalt: Die Mutter des Ich-Erzählers kann keine eigenständige Existenz führen und lebt in Abhängigkeit ihres Mannes. Ihre Nicht-Existenz wird exemplarisch auf dem Buchcover dargestellt: Auf der Familienszene sind nur die Gesichter von Vater und Sohn zu erkennen. Die Mutter wird von hinten fotografiert, ihr Gesicht ist nicht sichtbar.
Dennoch steht Befreiung im Mittelpunkt der Erzählung. Dem Ich-Erzähler gelingt es, selbstbestimmt zu agieren und sich von diesem Umfeld zu lösen. Zehn Jahre nach seinem endgültigen Abschied blickt er auf seine Familie zurück.
Für den Roman erhielt Bajani 2025 den italienischen Literaturpreis „Premio Strega“.
→ Buch
Bibliothekarin Michelle empfiehlt:
Saara El-Arifi »Kleopatra«
Seit Jahrhunderten fasziniert Kleopatra. Doch wer war sie wirklich? Die Autorin gibt der letzten altägyptischen Königin eine Stimme und lässt sie selbst erzählen.
Ich bin Ägypten und Ägypten ist Ich.
Mit nur 19 Jahren bestieg Kleopatra den Thron, obwohl sie nie dafür vorgesehen war. Wir wissen nur wenig Konkretes über die letzte Königin Ägyptens, da Frauen in der männerdominierten Geschichtsschreibung gern verdrängt werden. Unser Wissen über sie stammt vor allem aus männlich geprägten, oft späten Berichten, die sie auf einfache Rollen reduzieren: Hexe, Hure, Schurkin, etc.
Saara El-Arifi gräbt für ihren Roman tiefer und setzt aus wenigen Fragmenten und ohne Anspruch auf historische Genauigkeit das Bild einer Frau zusammen, die unerbittlich herrschte und ihre Familie bedingungslos liebte. Doch am allermeisten liebte sie ihr Land Ägypten. Ohne Anspruch auf historische Genauigkeit schafft die Autorin eine plausible und authentische Variante des Lebens einer historischen Figur und macht den Mythos zum Menschen.
„Ich bin immer gewesen, was die Menschen finden wollten. […] Archetypen wie die Steinblöcke der großen Pyramiden, die mich immer weiter von meinem Menschsein entfernten, bis ich nur noch ein Mythos war.“
→ Buch
→ E-Book
Bibliothekar Markus empfiehlt:
Francis Scott Fitzgerald»Der große Gatsby«
Zum 100. Jahrestag der Erstpublikation präsentiert der Jacoby & Stuart Verlag eine prachtvolle illustrierte Ausgabe des Klassikers der amerikanischen Literatur.
Illustrierter Klassiker
Die berühmte Geschichte des geheimnisvollen Millionärs Gatsby und seiner unheilvollen Liebe zu Daisy gehört zu den berühmtesten Romanen der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Gatsbys Nachbarn Nick Carraway und hat vor allem durch mehrere Verfilmungen zu Weltruhm gefunden. Die selbst ernannte Oberschicht der amerikanischen Elite der 1920er Jahre wird hier ebenso vorgeführt wie der viel zitierte amerikanische Traum.
Untermalt von hinreißenden Illustrationen präsentiert dieser Klassiker eine Geschichte, die gerade in der politischen Gegenwart nichts von seiner Aktualität verloren hat. Auch nicht 100 Jahre nach der Erstpublikation. Weltliteratur zum Wiederentdecken in unserer Abteilung für Klassiker.
→ Buch
»Der große Gatsby« ist bei uns auch zu finden als Roman, Hörbuch, Film, E-Book, E-Audiobook, Englischsprachiger Roman



