Literaturtipps vom September 2026
Irene Prugger »Das Jahr der Verluste«
Lina ist in Pension und frisch geschieden. Mit einer Mischung aus Melancholie und Motivation justiert sie ihr Leben neu und blickt zurück auf die Jahre, in denen ihr Dasein als Ehefrau und Mutter schleichend brüchig wurde.
Das Ende einer Rolle
Literarische Protagonistinnen ab einem gewissen Alter befinden sich in der Literatur manchmal auf einem Außenposten. Umso überzeugender liest sich der neue Roman von Irene Prugger. Sie erzählt die Geschichte ihrer Heldin mit großer Empathie und entwickelt daraus eine Erzählung von hoher Alltagsnähe und Universalität. Dabei zeigt sich, dass die Frage nach der Stabilität von Familie weit schwieriger zu beantworten ist, als wir uns oft eingestehen.
„Das Jahr der Verluste“ zieht einen beim Lesen sofort in einen Sog an Wiedererkennung. Linas Familie ist unser aller Familie. Ihre Verluste sind unsere Verluste. Und man stimmt erleichtert zu, wenn sie zu dem Schluss kommt: "Was brachte es, Verluste zu zählen, wenn auf der Habenseite immerhin das Leben selbst stand" (S. 78).
Junko Takase »Richtig gutes Essen«
Mit ironischem Blick zeigt die japanische Autorin eine Generation junger Büroangestellte zwischen Karriere und Tradition.
Fastfood oder Selbstgebackenes?
Nitani isst am liebsten Instant-Ramen, wenn er spätabends aus dem Büro kommt. Noch praktischer wäre es, von Nährstofftabletten zu leben. Kollegin Ashikawa bringt mit ihren aufwendig selbstgebackenen Süßspeisen seine Überzeugungen ins Wanken. Soll er sich auf eine Beziehung mit ihr einlassen oder doch lieber mit Trinkpartnerin Oshio nach Dienstschluss abhängen? Denn Ashikawas mangelnde Bereitschaft zu Überstunden weckt auch Aggressionen.
Die in Japan gefeierte Autorin Junko Takase liefert auf nur knapp hundert Seiten ein treffendes Porträt des japanischen Büroalltags zwischen Arbeitswahn und traditionellen Erwartungen. Bissig, witzig, kulinarisch.
→ E-Book
→ Buch
Jamaica Kincaid »Am Grunde des Flusses«
Zehn Erzählungen von Jamaica Kincaid, die sich der Welt aus einem kindlichen Blickwinkel nähern und dennoch eine erstaunliche Tiefe erreichen.
Eine gewaltige Lichtexplosion
Die 1949 auf der karibischen Insel Antigua geborene Autorin schreibt ihre Erzählungen nicht primär, um Geschichten zu erzählen, sondern um spürbar zu machen, was in einem Kind geschieht, das langsam erwachsen wird. Sie zeigt, wie eine Tochter ihre Mutter erlebt und wie sie ihre eigene Welt wahrnimmt.
Dieses Buch ist weniger eine Sammlung von Geschichten als ein poetischer Bewusstseinsraum. Die Texte entfalten sich über Bilder, Erinnerungen und Sinneseindrücke. Es sind berührend gemalte Sprachbilder, die weniger etwas erklären oder zeigen, sondern vielmehr einen Raum öffnen, in dem der Leser sich selbst fragen kann, was er beim Betrachten dieser Bilder empfindet.
→ Buch
Lee Child »Der 8. Mann«
Der 28. Fall für Jack Reacher führt zurück zu den Anfängen des eigenbrötlerischen Ermittlers. Diesmal öffnet die Vergangenheit ihre Türen und lädt zu einer packenden Auseinandersetzung mit der Frage ein: Wie weit darf Rache gehen?
Die Grenzen der Rache
Anfang der 1990er-Jahre gerät der junge Jack Reacher als Militärermittler in eine brutale Mordserie, die der eiskalten Logik einer Todesliste folgt. Die Opfer verbindet ein düsteres Geheimnis: ihr Mitwirken bei einer verdeckten Operation im Jahr 1969. Damals wurde ein folgenschweres Unglück zwar vertuscht, doch nun drängt die Wahrheit ans Licht – und die Verantwortlichen müssen dafür büßen. Für den namensgebenden achten Mann auf der Liste beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Der Roman überzeugt als leicht zugängliches Prequel mit charmantem 1990er-Retro-Flair und einem gewohnt süffigen, flüssigen Schreibstil. Trotz des recht formelhaften Plots eignet sich dieser geradlinige Thriller hervorragend als unkomplizierte, packende Lektüre für alle Genre-Fans und ist eine Bereicherung für jeden Krimi-Bestand.
→ Buch
Margaret Laurence »Glücklichere Tage«
Im 4. Band ihrer Manawaka-Romane erzählt die Kanadierin Margaret Laurence (1926–1987) die Geschichte von Morag Gunn, die sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte macht.
Selbstbehauptung einer Frau
In Erinnerungsbewegungen entfaltet der Roman die Vergangenheit seiner Protagonistin: eine Kindheit in einfachen Verhältnissen, geprägt von frühen schweren Verlusten, ihre Entwicklung als junge Frau und Ehefrau und schließlich ihr Leben als Autorin und Mutter. Durch Morags Beziehung zu dem Métis-Musiker Jules Tonnerre und ihrer gemeinsamen Tochter Pique beleuchtet der Roman eindringlich den systemischen Rassismus und die Marginalisierung der indigenen Gemeinschaften in Kanada.
Die in der fiktiven Stadt Manawaka angesiedelten Romane gehören in Kanada zum literarischen Kanon. Es ist dem Eisele Verlag hoch anzurechnen, diese wichtige literarische Stimme nach vielen Jahren wieder für den deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen. Alle vier Manawaka-Romane sind in unserem Bestand verfügbar.
→ Buch
Megan Nolan »Kleine Schwächen«
Megan Nolan widmet sich in ihrem 2. Roman Fragen nach der Authentizität von Familie, Klassenunterschieden und wie Menschen das Leid anderer ausschlachten.
Ausgeschlachtetes Leid
London Anfang der 1990er Jahre. Ein kleines Kind aus gutem Haus stirbt. Verdächtigt wird die 10-jährige Lucy aus der Nachbarschaft. Lucy und ihre Familie gehören zu einer Klasse, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Reporter Tom wittert die Story seines Lebens und lockt die Familie in ein Hotel, um ihr Leben systematisch auszuschlachten. Was als Kriminalfall beginnt, wandelt sich von der Milieustudie zum messerscharfen Psychogramm.
Nolan seziert mit narrativer Verve das generationenübergreifende Trauma einer dysfunktionalen Familie im Sturm einer medialen Hetzjagd. Die Schicksale von Mutter Carmel und ihrem Bruder Richie entfalten sich in präziser Sprache über mehrere Jahrzehnte. Ein mitreißender Roman über verhängnisvolle Rollenspiele und soziale Stigmatisierung. Große Empfehlung für diese kluge Geschichte über die Frage nach moralischer Schuld!
→ Buch
Lina ist in Pension und frisch geschieden. Mit einer Mischung aus Melancholie und Motivation justiert sie ihr Leben neu und blickt zurück auf die Jahre, in denen ihr Dasein als Ehefrau und Mutter schleichend brüchig wurde.
Das Ende einer Rolle
Literarische Protagonistinnen ab einem gewissen Alter befinden sich in der Literatur manchmal auf einem Außenposten. Umso überzeugender liest sich der neue Roman von Irene Prugger. Sie erzählt die Geschichte ihrer Heldin mit großer Empathie und entwickelt daraus eine Erzählung von hoher Alltagsnähe und Universalität. Dabei zeigt sich, dass die Frage nach der Stabilität von Familie weit schwieriger zu beantworten ist, als wir uns oft eingestehen.
„Das Jahr der Verluste“ zieht einen beim Lesen sofort in einen Sog an Wiedererkennung. Linas Familie ist unser aller Familie. Ihre Verluste sind unsere Verluste. Und man stimmt erleichtert zu, wenn sie zu dem Schluss kommt: "Was brachte es, Verluste zu zählen, wenn auf der Habenseite immerhin das Leben selbst stand" (S. 78).
Junko Takase »Richtig gutes Essen«
Mit ironischem Blick zeigt die japanische Autorin eine Generation junger Büroangestellte zwischen Karriere und Tradition.
Fastfood oder Selbstgebackenes?
Nitani isst am liebsten Instant-Ramen, wenn er spätabends aus dem Büro kommt. Noch praktischer wäre es, von Nährstofftabletten zu leben. Kollegin Ashikawa bringt mit ihren aufwendig selbstgebackenen Süßspeisen seine Überzeugungen ins Wanken. Soll er sich auf eine Beziehung mit ihr einlassen oder doch lieber mit Trinkpartnerin Oshio nach Dienstschluss abhängen? Denn Ashikawas mangelnde Bereitschaft zu Überstunden weckt auch Aggressionen.
Die in Japan gefeierte Autorin Junko Takase liefert auf nur knapp hundert Seiten ein treffendes Porträt des japanischen Büroalltags zwischen Arbeitswahn und traditionellen Erwartungen. Bissig, witzig, kulinarisch.
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Jamaica Kincaid »Am Grunde des Flusses«
Zehn Erzählungen von Jamaica Kincaid, die sich der Welt aus einem kindlichen Blickwinkel nähern und dennoch eine erstaunliche Tiefe erreichen.
Eine gewaltige Lichtexplosion
Die 1949 auf der karibischen Insel Antigua geborene Autorin schreibt ihre Erzählungen nicht primär, um Geschichten zu erzählen, sondern um spürbar zu machen, was in einem Kind geschieht, das langsam erwachsen wird. Sie zeigt, wie eine Tochter ihre Mutter erlebt und wie sie ihre eigene Welt wahrnimmt.
Dieses Buch ist weniger eine Sammlung von Geschichten als ein poetischer Bewusstseinsraum. Die Texte entfalten sich über Bilder, Erinnerungen und Sinneseindrücke. Es sind berührend gemalte Sprachbilder, die weniger etwas erklären oder zeigen, sondern vielmehr einen Raum öffnen, in dem der Leser sich selbst fragen kann, was er beim Betrachten dieser Bilder empfindet.
→ Buch
Lee Child »Der 8. Mann«
Der 28. Fall für Jack Reacher führt zurück zu den Anfängen des eigenbrötlerischen Ermittlers. Diesmal öffnet die Vergangenheit ihre Türen und lädt zu einer packenden Auseinandersetzung mit der Frage ein: Wie weit darf Rache gehen?
Die Grenzen der Rache
Anfang der 1990er-Jahre gerät der junge Jack Reacher als Militärermittler in eine brutale Mordserie, die der eiskalten Logik einer Todesliste folgt. Die Opfer verbindet ein düsteres Geheimnis: ihr Mitwirken bei einer verdeckten Operation im Jahr 1969. Damals wurde ein folgenschweres Unglück zwar vertuscht, doch nun drängt die Wahrheit ans Licht – und die Verantwortlichen müssen dafür büßen. Für den namensgebenden achten Mann auf der Liste beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Der Roman überzeugt als leicht zugängliches Prequel mit charmantem 1990er-Retro-Flair und einem gewohnt süffigen, flüssigen Schreibstil. Trotz des recht formelhaften Plots eignet sich dieser geradlinige Thriller hervorragend als unkomplizierte, packende Lektüre für alle Genre-Fans und ist eine Bereicherung für jeden Krimi-Bestand.
→ Buch
Margaret Laurence »Glücklichere Tage«
Im 4. Band ihrer Manawaka-Romane erzählt die Kanadierin Margaret Laurence (1926–1987) die Geschichte von Morag Gunn, die sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte macht.
Selbstbehauptung einer Frau
In Erinnerungsbewegungen entfaltet der Roman die Vergangenheit seiner Protagonistin: eine Kindheit in einfachen Verhältnissen, geprägt von frühen schweren Verlusten, ihre Entwicklung als junge Frau und Ehefrau und schließlich ihr Leben als Autorin und Mutter. Durch Morags Beziehung zu dem Métis-Musiker Jules Tonnerre und ihrer gemeinsamen Tochter Pique beleuchtet der Roman eindringlich den systemischen Rassismus und die Marginalisierung der indigenen Gemeinschaften in Kanada.
Die in der fiktiven Stadt Manawaka angesiedelten Romane gehören in Kanada zum literarischen Kanon. Es ist dem Eisele Verlag hoch anzurechnen, diese wichtige literarische Stimme nach vielen Jahren wieder für den deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen. Alle vier Manawaka-Romane sind in unserem Bestand verfügbar.
→ Buch
Megan Nolan »Kleine Schwächen«
Megan Nolan widmet sich in ihrem 2. Roman Fragen nach der Authentizität von Familie, Klassenunterschieden und wie Menschen das Leid anderer ausschlachten.
Ausgeschlachtetes Leid
London Anfang der 1990er Jahre. Ein kleines Kind aus gutem Haus stirbt. Verdächtigt wird die 10-jährige Lucy aus der Nachbarschaft. Lucy und ihre Familie gehören zu einer Klasse, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Reporter Tom wittert die Story seines Lebens und lockt die Familie in ein Hotel, um ihr Leben systematisch auszuschlachten. Was als Kriminalfall beginnt, wandelt sich von der Milieustudie zum messerscharfen Psychogramm.
Nolan seziert mit narrativer Verve das generationenübergreifende Trauma einer dysfunktionalen Familie im Sturm einer medialen Hetzjagd. Die Schicksale von Mutter Carmel und ihrem Bruder Richie entfalten sich in präziser Sprache über mehrere Jahrzehnte. Ein mitreißender Roman über verhängnisvolle Rollenspiele und soziale Stigmatisierung. Große Empfehlung für diese kluge Geschichte über die Frage nach moralischer Schuld!
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